Symbole am Benediktushof: Sprache ohne Worte
In unserer neuen Beitragsserie „Sprache ohne Worte: Geheimnisse des Benediktushofs“ stellen wir Symbole in den Gebäuden, Gärten und Höfen vor. Andreas Hase erläutert die Botschaften und was sie uns heute sagen können.
Lässt man die Gärten, Wege und Gebäude des Benediktushofs unbefangen auf sich wirken, nimmt man bald eine ganz besondere Atmosphäre wahr, die dieser Ort zu atmen scheint. Alte Mauern einerseits, neue und klare Formen andererseits, sich kreuzende Wege, fließendes Wasser, das Plätschern des Brunnens und die Stille der Steine beruhigen unterschwellig Geist und Gemüt.
Fremd anmutende Schriftzeichen begegnen uns über den Zugängen zu den Meditationsräumen, an Wänden und über Altären. In einem Labyrinth im Garten des ehemaligen Klosterhofs führt ein verschlungener Pfad symbolhaft in die Mitte des Lebens. Vieles bleibt zunächst unbemerkt und schmiegt sich leise an die Seele, anderes fällt sofort ins Auge und erreicht den Geist klar und unmittelbar. All‘ das prägt den Ort und seine Ausstrahlung.

Symbole sind dabei viel mehr als schmückendes Beiwerk! Das griechische Wort „symbolon“ steht für ein Erkennungszeichen. Das Zusammenfügen zweier zusammengehörender Teile eines Gegenstandes macht ihre Zusammengehörigkeit klar. Und so verbindet ein Symbol, was zusammengehört – wie eine Brücke, die von der äußeren Form in eine innere Wirklichkeit führt.
Am Benediktushof begegnet die Christliche Mystik des Westens den traditionellen Übungswegen des Ostens, in Gebäuden und Gärten nicht weniger als im Kursprogramm.
Der Benediktushof ist ein Ort der Stille. Wo aber Worte zurücktreten, flüstern uns Formen, Farben, Klänge und Wege neue Botschaften zu.
So treffen kreuzförmige Wegachsen des ehemaligen Klosters auf einen japanischen Zen-Garten, in dem weißer Kies einen wellenförmigen Wasserlauf symbolisiert. An anderer Stelle erinnert ein achteckiger Brunnen plätschernd an frühchristliche Taufbecken und steht für Schöpfung, Auferstehung und das Ewige Leben. Im Meditationsraum entdeckt man – ineinander verschlungen – Kreis, Dreieck und Quadrat, eigentlich schlichte Formen, in denen sich aber eine ganze Weltsicht verbirgt.
All das steht in Achtung voreinander und gleichberechtigt nebeneinander.
Symbole sind keine Geheimschrift, die nur entschlüsselt werden müsste. Die Bedeutung eines lebendigen Symbols erwächst aus seiner Geschichte und der jeweils einzigartigen Erfahrungswelt des Menschen, der es wahrnimmt. Es hat die Kraft, Räume zu öffnen.
Der Benediktushof ist ein Ort der Stille. Wo aber Worte zurücktreten, flüstern uns Formen, Farben, Klänge und Wege neue Botschaften zu.

Neue Serie: Was erzählen die
Symbole am Benediktushof?
Dieser Beitrag eröffnet eine lose Reihe über die Botschaften hinter den Dingen. Wir möchten damit einzelne Symbole am Benediktushof näherbringen und über ihre Herkunft, ihre überlieferte Bedeutung und das, was sie uns heute sagen könnten, nachdenken und zum Nachdenken einladen.
Symbole erzählen in ihrer wortlosen Sprache, was nun geschehen kann: Getrenntes zusammenführen, nach innen gehen und in der Vielfalt die eine Wirklichkeit erahnen.