Symposium 20 Jahre Benediktushof – Rückblick

„Impuls. Begegnung. Ruhe. Ausrichtung.“
„Raum für Bewusstheit, Verbindung und Stille. Ort für Spiritualität und Hoffnung.“
„Nach Hause kommen – zuhause sein“.

So beschreiben Teilnehmende des Symposiums, was der Benediktushof für sie und ihr Leben bedeutet.

20 Jahre Benediktushof
20 Jahre sind vergangen, seit der Benediktushof im Jahr 2003 seinen Betrieb als spirituelles Seminar- und Tagungszentrum aufgenommen hat. Mit einem fröhlich-bunten Sommer-Symposium wurde dieser runde Geburtstag gefeiert, überschrieben mit dem Motto „Zukunft als Illusion. Leben im Hier und Jetzt“. Der Benediktushof üblicherweise von seinen rund 11.000 Gästen jährlich für seine Stille und Ruhe geschätzt, zeigte bei diesem Fest eindrucksvoll auch die Kraft der Klänge, der Musik, des Lachens und des Austauschs.

Seit zwei Jahrzehnten bietet der Benediktushof einen Raum, das Hier und Jetzt vollkommen zu erleben. Dieser Raum wurde im Rahmen des Sommer-Symposiums gemeinsam mit der am Benediktushof ansässigen West-Östliche Weisheit Willigis Jäger Stiftung geöffnet und der Blick auf die Gestaltung der Zukunft gerichtet. Der Beitrag, den die Stiftungsprojekte dabei leisten können, wurde in der Lebendigkeit und Authentizität der Vertreter:innen der „Generation Zukunft“, einer Zielgruppe die die Stiftung besonders fördert, ebenso deutlich, wie in der Notwendigkeit, sich für eine Bewusstseinskultur einzusetzen, wie sie Thomas Metzinger in seinem Vortrag benannte.

Auftakt
Mit einem herzlichen Rückblick schilderte Irene Bopp von den Anfängen des Benediktushofs – wie sie und ihr Mann gemeinsam mit Gertraud Gruber für Willigis Jäger eine neue Wirkungsstätte errichtet haben – „Europas schönstes Zentrum der Stille“. Mit Blick auf eine allgemein unsichere Zukunft lässt sie die Teilnehmenden an ihrem festen Glauben partizipieren: „Fürchten müssen wir uns nicht“.

Paul Kohtes, Vorsitzender der West-Östliche Weisheit Willigis Jäger Stiftung knüpft daran an und beschreibt, wie aus einer Krise erstaunliche Dinge entstehen können. Er erinnert an den Mut und die Vision der Gründer*innen sowie „eigenwillige Glücksmomente“, bei denen man nur staunen konnte, wie aus einer Ruine letztlich dieser Ort geworden ist: Zukunft als Illusion? Zukunft als Vision!

Vorträge
Die Vorträge und das neue Format des „Spiritual Slam“ mit der Generation Zukunft haben die Teilnehmenden nachhaltig berührt, inspiriert, mal hoffnungsvoll, mal aufgewühlt gestimmt.

Prof. Dr. Michael von Brück, als Religionswissenschaftler und Zen- und Yoga-Lehrer seit Jahrzehnten Brückenbauer zwischen Ost und West, überschrieb seinen Vortrag mit einer Frage, die derzeit viele umtreibt: „Wohin geht der Mensch?“ Die Antwort: „Wohin seine Phantasie ihn trägt“ – sprich: Das Ziel ist offen, umso wichtiger die Gestaltung des Weges und des Hier und Jetzt. Als hilfreiches Geländer hierfür umschrieb von Brück den Dreiklang aus Spiritualität, Ökosophie und Ästhetik. Spirituelle Praxis ermögliche uns ein neues Ich-Verständnis: Nicht als unabhängiges Individuum, sondern Synthese unterschiedlichster Einflüsse und Kontexte. „Wir müssen von der Illusion der Umwelt zur Realität der Mitwelt“, postulierte er im Sinne der Ökosophie Kooperation statt der bisherigen Konkurrenz. Nicht zuletzt sei es Kreativität, nicht Angst, die uns eine Weiterentwicklung im Denken, Fühlen, Wahrnehmen – und damit schließlich auch im Handeln – ermögliche: „Wir wissen nicht, wohin der Weg führt, aber wir können etwas für ein erfülltes Sein im Jetzt tun.“

Die britisch-amerikanische Physikerin und Philosophin Prof. Dr. Danah Zohar weiß, dass wir immer die großen Fragen des Lebens stellen  – ob als Kind oder Erwachsener. Mit ihrem Vortrag „Spirituelle Intelligenz“ zeigt sie, dass sich die Antworten darauf in der Spiritualität finden lassen: Alles ist mit einander verbunden. Jede unserer Handlungen und jede der Fragen, die wir stellen, gestalten die Zukunft mit, weil wir alle – egal, ob aus Perspektive der Kabbala oder der Quantenphysik – ein Teil des großen Ganzen waren und sind.
Wenn wir den göttlichen Funken in uns spüren, vermögen wir in Form von liebenden Beziehungen das Gute in uns und den anderen zu sehen und das Potenzial zu verwirklichen – als Co-Kreatoren der Realität: „Du und ich kreieren die Welt“.

Philosoph und Buchautor Prof. Dr. Thomas Metzinger ruft uns in seinem Vortrag „Bewusstseinskultur und die planetare Krise“ eindrücklich in Erinnerung, dass uns in der Krise, in der wir uns befinden, weder Optimismus noch Oberflächlichkeit helfen. Wir brauchen eine Bewusstseinskultur, eine geistige Autonomie, die es uns erlaubt selbstbestimmt aus der Wahrnehmung unsere Entscheidungen zu treffen, eine intellektuelle Redlichkeit, d.h. eine radikale Ehrlichkeit uns selbst gegenüber, und eine säkuläre Achtsamkeit als elementare Kulturtechnik. All dies vermag uns zu helfen, den Tatsachen ins Auge zu sehen und aus einer neuen Krisenkompetenz heraus Wege zu finden, die Krise in uns zunächst zuzulassen. Ob die Probleme durch eine intensive Bewusstwerdung der Menschen zum Ende kommen können? Vielleicht geht es auch „im Kern darum, in Würde zu scheitern“ und damit ehrlich mit den Gegebenheiten umgehen.

Spiritual Slam der Generation Zukunft:
Es gibt unterschiedliche Wege, die junge Menschen in die Spiritualität finden: eine traumatische Erfahrung, der Verlust eines geliebten Menschen, eine psychedelische Erfahrung, die familiäre Prägung oder Interesse am ganzen Menschen und seiner Psyche. So vielfältig die Auslöser und Beweggründe sind, so vereint zeigten sich die Vertreter*innen der Generation Zukunft Julian Arnowski, Nils Leverenz und Laura Melzer darin, dass ihnen die spirituelle Praxis eine gewisse Form von Erdung, Ruhe und Vertrauen bietet. Auch wenn manchmal mehr Fragen als Antworten auftauchen, so ist doch der achtsame Umgang mit den eigenen Gedanken und Gefühlen hilfreich, sich auf eine unsichere Zukunft einzustellen und sich auf Wesentliches zu besinnen: Verbindung zur Natur, Offenheit und Dankbarkeit für das Leben, Ruhe in Bezug auf die Endlichkeit, Liebe als Motor für das eigene Handeln.

Rahmenprogramm
Das Hier und Jetzt war geprägt von sommerlicher Leichtigkeit, Austausch, Erleben und (Körper-) Erfahrung: So konnten sich die Gäste beim Trommeln, Taiji, Butoh (japanisches Tanztheater), Sunmudo oder Qi Gong ausprobieren. Eine besondere Rolle für das Gelingen des Wochenendes spielten die musikalischen Beiträge, die mit Markus Stockhausen an der Trompete, Andreas Prescher an den Taiko Trommeln und Shura Lipovsky bei einem Workshopkonzert mit jiddischen Liedern mal mitreißend, mal berührend wirkten. Mit viel Anteilnahme wurde auch die Filmvorführung des anwesenden Ingo Taleb Rashid aufgenommen.

Inmitten dieses dichten Programms gab es immer wieder Raum zum Austausch und für Begegnungen, während der Mittagspausen oder am Samstagabend auf der Terrasse mit der Würzburger Band „Inswingtief“. Von den Teilnehmenden wurde das Sommersymposium als „Kraftquelle“ bezeichnet und insbesondere der Austausch der Generationen und die Möglichkeit zum Austausch hoch gelobt.

Wir danken allen Vortragenden, allen Gästen und Freunden und Förderern des Benediktushofes sowie allen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, die diese Tage zu einem wahren Erlebnis haben werden lassen.

20 Jahre Benediktushof. 20 Jahre alt, wie ein junger Erwachsener, der schon ein bißchen weiß, was oder wie er sein will – dieses Bild zeigte Alexander Poraj auf: „Wir wollen Gegenwart verkörpern zum Wohle aller. Wann, wenn nicht jetzt?“


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