Brigitte van Baren verabschiedet sich als Kursleiterin
Zen-Meisterin Brigitte van Baren gehört am Benediktushof zu den Menschen der ersten Stunde: Von 19. bis 24. Juli leitet sie zum letzten Mal das Sommersesshin „zen@work“. Sie beendet damit ihre Kurstätigkeit am Benediktushof, um sich neuen Projekten zuzuwenden.
Liebe Brigitte, Du gehörst zu den langjährigen Wegbegleiterinnen von Willigis Jäger, bist mit ihm jahrzehntelang den Zen-Weg gegangen – und warst auch am Benediktushof eine Frau der ersten Stunde. Im Juli findet nun Dein vorläufig letzter Kurs am Benediktushof statt, das Sommersesshin „zen@work“. Mit welchen Gefühlen siehst Du dem Kurs entgegen?
Brigitte van Baren: Ich bin über all‘ die Jahre immer mit großer Freude zu meinen Kursen an den Benediktushof gekommen. Gerade in den ersten Jahren ab 2003 durfte ich viele Kurse gemeinsam mit Willigis Jäger, dem Begründer des Benediktushofes, leiten.
Umso schöner ist es für mich, dass ich in diesem Jahr nochmal zum Sommersesshin „zen@work“ an den Hof komme und mich in diesem besonderen Rahmen von meiner Kurstätigkeit verabschieden kann. In die Freude mischt sich diesmal auch eine große Dankbarkeit: Denn der Benediktushof war die vergangenen 23 Jahre mein spirituelles Zuhause.

Kannst Du Dich an deine erste Begegnung mit Willigis erinnern? Was hat Dich an ihm und seiner Lehre begeistert?
Es war im Jahr 1991, also vor über 35 Jahren, dass ich Willigis zum ersten Mal getroffen habe. Er hat mich gleich zu einem Kurs eingeladen. Was mich besonders nachhaltig angesprochen und bewegt hat, war seine Vision von Spiritualität, die er stets in Verbindung und im Dialog mit der Wissenschaft sah.
Du hast das Format „zen@work“ mit Weggefährten wie Willigis Jäger und Paul Kohtes entwickelt und aufgebaut und viele Jahre sowohl am Benediktushof als auch in anderen Kurshäusern sehr erfolgreich angeboten. Magst Du uns kurz skizzieren, was das Format gerade für Führungskräfte interessant macht ?
In diesen Sesshins liegt ein besonderer Fokus auf Themen im Arbeits- und Führungskontext, unter anderem Stress, Konfliktsituationen und besondere Herausforderungen für Führungskräfte. Dazu gibt es Vorträge sowie Gesprächsrunden, in denen sich die Teilnehmenden über Erfahrungen austauschen und das Wissen vertiefen: Wie integriere ich beispielsweise die Zen-Praxis in meinem Arbeits- und Lebensalltag? Wie komme ich aus dem Reagieren zum Agieren? Dazu lernen die Teilnehmenden verschiedene Formen der Körperarbeit und Entspannungstechniken kennen, wie QiGong, Yoga oder Achtsamkeitsübungen, um gut mit sich und dem Körper in Verbindung zu sein.
Die Verbindung Zen-Meditation und (Selbst-)Führungsqualität ist auch auf Deine Biografie als erfolgreiche Projektmanagerin und Zen-Meisterin zugeschnitten. Welche Bedeutung spielt Zen für Dein Leben?
Für mich ist Zen „Dhyana“ und der Kern meines Lebens: der Begriff steht unter anderem für tiefe Konzentrationszustände. Es ist das Wesentliche, das nicht nur in meinen Kursen und Büchern sehr präsent ist, sondern sich auch in meinem ganzen Tagesablauf immer wieder bemerkbar macht. Die stille Präsenz aus der Meditation nehme ich wie einen ständigen Begleiter in all‘ meine Aktivitäten mit.
Diese Stille drückt sich in allem aus. Sie zeigt sich als Klarheit und bringt überraschende Einsichten. Für mich eine unerschöpfliche Quelle der Weisheit.
Wer Dich kennt, weiß um Deine große Gestaltungskraft. Der Abschied vom Benediktushof bedeutet für Dich alles andere als Stillstand. Seit Jahren engagierst Du Dich für die Stiftung „Living Peace Projects“, die spirituelle Führer aus aller Welt zusammenbringt, um Menschen weltweit Zugang zu sauberem Wasser zu ermöglichen. Wie kam dieses Engagement zustande?
Die Gründung der Stiftung „Living Peace Projects“ hat eine ungewöhnliche und für mich sehr berührende Vorgeschichte. Alles begann mit einem Traum im Jahr 2016, in dem es um den Heiligen Franz von Assisi ging. In den Tagen darauf ereigneten sich eine Reihe bemerkenswerter Dinge: Professor Dr. H.J. Witteveen – ehemaliger geschäftsführender Direktor des International Monetary Fund, Vizepremierminister der Niederlande und ein angesehener Sufi-Führer – bat mich unerwartet, seine Nachfolgerin als Vorsitzender des Universellen Sufi-Council anzutreten.
Das war eigentlich völlig unlogisch, weil Ich kein Sufi war. Diese Aufgabe führte mich zunächst zu einer internationalen Konferenz in Istanbul. Daraus ergab sich für mich 2018 die Organisationsleitung der Friedenspilgerreise „Thirst for Peace “ in der heiligen Stadt Assisi. Spirituelle FührerInnen aus aller Welt kamen dabei zusammen und initiierten gemeinsam mit Professor Witteveen die Stiftung „Living Peace Projects “, die im Dezember 2018 offiziell gegründet wurde.
Was ist der Kern der Stiftung?
Wir gehen davon aus, dass der Zugang zu Wasser in den kommenden Jahrzehnten die entscheidende Herausforderung für Frieden und Menschheit darstellen wird. Spirituelle Führer verschiedener Traditionen haben sich deshalb für Wasser, Frieden und Bildung zusammengeschlossen – darunter Seine Heiligkeit der 12. Kenting Tai Situpa und der verstorbene Bischof Ruben Tierrablanca als Vertreter der katholischen Kirche.
Konkret geht es darum, Menschen den Zugang zu sauberem Wasser zu ermöglichen, die Bevölkerung zu schulen und das Ökosystem wiederherzustellen. Alle drei Ziele greifen in unserem Modell ineinander und münden in einen lebendigen Wasserkreislauf. Das Modell wird bereits mit einer ersten Anlage in Himachal Pradesh (Indien) erprobt, die mehrere tausend Mönche und die umliegende Bevölkerung mit frischem Trinkwasser versorgt.
„Diese Stille drückt sich in allem aus. Sie zeigt sich als Klarheit und bringt überraschende Einsichten. Für mich eine unerschöpfliche Quelle der Weisheit“
Warum ist gerade das Thema Wasser so ein Herzensprojekt für Dich geworden?
Im Jahr 2013 wurde ich angefragt, für die Vereinten Nationen den ‚World Water Day“ zu organisieren. Seitdem bin ich mir immer mehr bewusst geworden, wie wichtig gesundes und natürliches Wasser ist: Ohne Wasser kein Leben, ohne Wasser kein Frieden. Deswegen habe ich die Initiative „Water for Life“ ins Leben gerufen. Ich befürchte, dass der Zugang zu Wasser künftig eine der größten Bedrohungen für Frieden und Menschheit darstellen wird.
Du gehst seit Jahrzehnten den Zen-Weg, davon viele Jahre mit Willigis Jäger. Was hat Dich in dieser Zeit besonders berührt und begleitet dich bis heute?

Eine ganz besondere Erinnerung ist das gemeinsame Rohatsu-Sesshin, das ich zusammen mit Willigis Jäger im Dezember 2003 am Benediktushof gegeben habe – es war das erste Sesshin und zugleich der Auftakt des Kursbetriebs am Benediktushof. Diese Erfahrung hat mich tief berührt und nachhaltig geprägt. Zu den schönsten Erinnerungen zählen für mich auch die gemeinsamen Kurse „Zen for Leadership“, zunächst mit Willigis Jäger und später mit Paul J. Kohtes. Unvergesslich bleiben die Morgenmeditationen im Zen-Garten. Das waren absolut bezaubernde Momente, die nicht in Worte zu fassen sind.
Mich begleitet eine tiefe Dankbarkeit für die vielen gemeinsamen Jahre und die Zusammenarbeit mit Willigis Jäger, Paul J. Kohtes (links mit im Bild) und Dr. Daniel Wagner.
Ein ganz besonderer Dank gilt Rudolf Faber und Elsbeth Maria Herberich, die mich in unzähligen Kursen als Assistenz unterstützt haben. Und natürlich auch das Team am Empfang! Im Herzen bleibe ich mit dem Benediktushof und seinen Menschen in tiefer Freundschaft verbunden!
Du hast Willigis nochmals zum 95. Geburtstag besucht, nur wenige Tage vor seinem Tod. Wie hast Du diese letzte Begegnung erlebt?
Es war eine sehr besondere Begegnung. Auch weil mir bewusst war, dass es das letzte Mal sein könnte, dass wir uns sehen. Was mich sehr berührt hat: Ich habe Wasser aus den 10 Heiligen Quellen mitgebracht und durfte Willigis damit segnen. Es war eine Art Abschiedssegen: So viele Male hatte Willigis mich gesegnet, jetzt durfte ich ihn segnen.
Mit einem Zen-Gedicht möchte ich den Kern des Zen abschließend auf den Punkt bringen:
Mind so pure and clear aware
Not a Single thought can enter there
Soundless space clearly so bright
That words cannot that very site .
Thats how the Buddhas used to teach
Presenting beyond words for them to reach
Brigitte Madeleine van Baren (Seikó An – Ming Jing – Palden Dolma)