Der Weg in eine fundierte Meditationspraxis

Das Interesse an Meditation ist groß – ebenso wie die Vielfalt an Angeboten, Informationen und manchmal auch Missverständnissen: Was muss ich wissen und beachten, wenn ich mit Meditation beginnen möchte – zum Beispiel in der Tradition des Zen oder christlicher Kontemplation? Dr. Alexander Poraj gibt Tipps zur Orientierung und für die wichtigen ersten Schritte.

Körper, Geist und Bewusstsein in Einklang – das ist nicht nur Motivation vieler Meditierender, sondern auch eine Herausforderung.

Meditation boomt. Es gibt eine Fülle an Informationen in Medien, sozialen Netzwerken, Büchern und natürlich auch im persönlichen Umfeld. Meditation verspricht viel Positives – Ruhe, Gelassenheit, Lebenssinn, Erkenntnis, Mitgefühl, Verbundenheit, bisweilen sogar Gesundheit. Viele Menschen fühlen sich angesprochen: Wäre das vielleicht auch was für mich? Gleichzeitig sorgt der Begriff Meditation auch für Missverständnisse und hinterlässt Fragen: Gibt es die eine Meditation? Oder eher viele verschiedene Schulen, Formen und Traditionen? Was passt zu mir? Wo finde ich eine Begleitung und passende Angebote? Und gibt es „Risiken und Nebenwirkungen“, die zu beachten sind?

Dr. Alexander Poraj, seit vielen Jahren Mitglied der spirituellen Leitung am Benediktushof, rät daher allen Meditationsinteressierten, sich im Vorfeld umfassend zu informieren, die eigenen Anliegen zu reflektieren und verantwortungsvoll mit sich selbst umzugehen:

  • Was muss ich beachten, wenn ich mich für Meditation oder eine spirituelle Praxis interessiere?
  • Welche Meditationsformen gibt es und welche passt zu mir?
  • Was ist mein Anliegen, um was geht es mir persönlich beim Meditieren?
  • Und wie erkenne ich seriöse und fundierte Angebote?
  • Physische und psychische Gesundheit: Worauf muss ich achten, wenn ich mediteren möchte?

Video-Serie: Schritt für Schritt zur fundierten Meditationspraxis

In mehreren kurzen Einführungs-Videos gibt Dr. Alexander Poraj Informationen und Tipps an die Hand, die bei der Orientierung auf dem spirituellen Weg unterstützen. Sie finden die Verlinkungen zu den Videos auf unserem Youtube-Kanal jeweils am Kapitelende.

Video 1: Das spirituelle Verständnis und Angebot am Benediktushof
Video 2:  Ich möchte meditieren – was muss ich beim Einstieg beachten?
Video 3: Meditation und Gesundheit – wie Körper, Geist und Bewusstsein sich gegenseitig bedingen

Das spirituelle Verständnis am Benediktushof oder: Welche Lebensfrage bewegt mich?

Der Benediktushof zählt zu den größten Zentren für Meditation und Achtsamkeit in Europa. Die Säulen des spirituellen Angebotes sind bis heute die spirituellen Wege des Westens und des Ostens – sprich Zen/Chan und die christliche Kontemplation. Das geht auf den Begründer des Benediktushofes zurück – den Benediktinermönch, Zen-Meister und Kontemplations-Lehrer Willigis Jäger. Eingebettet sind die beiden Säulen, christliche Kontemplation und Zen, in ein vielfältiges, durch verschiedene spirituelle Traditionen und therapeutische Schulen getragenes Programm.

Inzwischen finden jährlich über 600 Kurse und Veranstaltungen statt, unter anderem werden verschiedene spirituelle Wege, Achtsamkeit, bewegte Meditation, Kreativität, Selbsterfahrung, Führung, Weiterbildung und vieles mehr angeboten. Darüber hinaus finden mehrere Fachsymposien für den interkulturellen, interreligiösen und wissenschaftlichen Austausch statt.

Um was geht es?

Wer bin ich? Was ist der Sinn des Lebens? Wie soll ich leben? Es sind die großen Fragen der Menschheit, die die Essenz der verschiedenen spirituellen Traditionen seit Menschengedenken ausmachen – und auf die es bis heute keine eindeutige Antworten gibt, plädiert Alexander Poraj für eine Haltung der Offenheit.

Die Vielfalt an spirituellen Angeboten am Benediktushof sei deshalb eine Einladung, sich selbst und diesen Fragen immer wieder aus verschiedenen Perspektiven anzunähern. Ausgehend bei der Frage: Was ist mir selbst gerade wichtig?

Wie finde ich das passende Angebot?

Der Benediktushof bietet (Wieder-)Einsteigern eine Vielfalt an Einführungskursen verschiedener spiritueller Schulen, die von erfahrenen und ausgebildeten Kursleitenden geführt und begleitet werden. In einem kurzen Videobeitrag gibt Alexander Poraj einige Kriterien an die Hand, die bei der Auswahl unterstützen und eine ehrliche Selbstreflexion ermöglichen.

Wichtig: Ein Kurs für Meditation und Achtsamkeit ersetzt keine Therapie oder therapeutische Begleitung.

Daher ist die stabile psychische Konstitution eine wichtige Voraussetzung für die Teilnahme an einem Meditationskurs.

In der heutigen Zeit wird die Bezeichnung Meditation für Hunderte von Methoden verschiedenster Schulen und Traditionen verwendet. Für eine erste Orientierung ist es sinnvoll, die eigenen Fragen und Intentionen zu hinterfragen: Was ist Ziel meiner Übung? Was ist mir wichtig? Was ist der erste, was der nächste Schritt?

Alexander Poraj empfiehlt, erstmal das Unmittelbare, Nächstliegende zu wählen und sich darauf einzulassen. Die Erfahrungen, die sich in der Praxis ergeben, ermöglichen dann einen immer differenzierten Blick auf die spirituellen Wege und Optionen.

Ein Tipp des Zen-Meisters: Offen bleiben für verschiedene Ausrichtungen und Sichtweisen und sich von den Erwartungen verabschieden, von einer Übung/Praxis die ultimativen Antworten zu erhalten: „Das Geheimnis des Lebens ist viel zu groß, so dass es immer nur um die Annäherung an die großen Fragen gehen kann.“

Wie Körper, Geist und Seele sich gegenseitig bedingen

Meditative Praxis ist mit vielen Versprechen verbunden: Ruhe, Gelassenheit, Stressabbau, eine positive Veränderung des Lebensstils, Lebenssinn. In seinem Video erläutert Alexander Poraj den Zusammenhang von Meditation und Gesundheit: Unterstützt Meditation wirklich unsere physische und psychische Gesundheit? Oder braucht es nicht vielmehr eine stabile Psyche und Physis, bevor wir uns aufs Meditationskissen begeben?

Sicher: Meditation kann uns helfen, Geist und Körper zu beruhigen, eine gesunde Lebensweise unterstützen und uns bei der Auseinandersetzung mit Lebens- und Sinnfragen begleiten.

Das wiederum kann ein wichtiger Baustein für Prävention sein. Gleichzeitig warnt Alexander Poraj vor falschen Erwartungen oder gar magischem Glauben, bestimmte spirituellen Praktiken oder Übungen könnten Erkrankungen heilen oder vermeiden.

Die meisten körperlichen Symptome und Erkrankungen sind komplex und können verschiedenste und unterschiedliche Ursachen haben. Deshalb sei es wichtig, jede Erkrankung medizinisch abklären und behandeln zu lassen!

Gleichzeitig berichten Medien immer auch über mögliche Zusammenhänge von Meditation und psychische Krisen. Alexander Poraj ist Zen-Meister und Mitglied der spirituellen Leitung am Benediktushof und begleitet seit vielen Jahren Menschen auf dem spirituellen Weg. Aus dieser Erfahrung rät er, sich vor dem Einstieg in die Meditation kritisch zu hinterfragen und bei Bedarf mit Therapeuten und Ärzten abzustimmen. Ein Meditationskurs ersetzt keine Psychotherapie, kann aber unter Umständen eine wertvolle und ergänzende Unterstützung sein!

Die Haltung des Zen und der Kontemplation ist eine Haltung der Präsenz. In der Praxis heißt das: intensives Sitzen in Stille, Verzicht auf Ablenkung, Medienkonsum, Kommunikation – und damit auch auf oft bewährte und gewohnte Kompensationsstrategien. Verdrängte Erinnerungen, Gefühle, Ängste treten ins Bewusstsein und fordern uns heraus – psychisch und körperlich. Die Meditationspraxis erfordert daher verantwortungsvollen und sorgsamen Umgang mit sich selbst und eine kompetente Begleitung durch den Kursleitenden, sowie bei Bedarf auch durch Ärzte oder Therapeuten.

Artikel: Psychische Stabilität und der Umgang mit psychischen Krisen

Dr. Alexander Poraj und Michaela Nüssel, Dipl.-Psychologin, haben für die Zeitschrift „Bewusstseinswissenschaften. Transpersonale Psychologie und Psychotherapie“ einen Artikel verfasst und widmen sich darin der psychischen Gesundheit sowie der adäquaten und verantwortlichen Begleitung im Umgang mit psychischen Herausforderungen und Krisen.

Die Praxis des stillen Sitzens stellt für viele Personen eine physische wie psychische Herausforderung dar und konfrontiert sie mit unterschiedlichen psycho-physischen Schwierigkeiten. Dies ist weder ein neu auftretendes Phänomen noch eine unerwünschte Nebenwirkung des Zazen, denn die Tradition des Chan/Zen kennt viele tiefgreifende und zum Teil auch schmerzhafte Prozesse. Um ein Abgleiten in Zustände zu vermeiden, die von Praktizierenden nicht mehr selbstverantwortet werden können, werden am Benediktushof vor, während und nach Zen-Retreats (wie bei allen Stille-Kursen, auch der Kontemplation) zahlreiche Maßnahmen zur Prävention und Sicherung getroffen.

Der Artikel ist im September 2024 in der Zeitschrift „Bewusstseinswissenschaften. Transpersonale Psychologie und Psychotherapie“  (Jg. 30, Ausgabe 02/2024) im Vianova Verlag erschienen. Quelle: www.zeitschrift-bewusstseinswissenschaften.de

Symposium Psychotherapie 2023: Spirituelle Krise oder Krankheit?

Der Umgang mit psychischen Krisen ist uns am Benediktushof ein sehr großes Anliegen bei der Begleitung der Gäste auf ihrem spirituellen Weg: Das Symposium Psychotherapie griff 2023 das Thema „Spirituelle Krise oder Krankheit?“ aufDie Vortrags-Videos stehen auf unserem YouTube-Kanal zur Verfügung. Hier finden Sie auch die Playlists zu weiteren Symposien Psychotherapie, unter anderem zu den Themen „Resilienz“ oder „Transgenerationale Traumata“.

In den vergangenen Jahren haben wir es mit einer enormen Zunahme verschiedener meditativer und spiritueller Praktiken zu tun. Gleichzeitig steigt die Zahl psychischer Erkrankungen. Für Psychotherapeut*innen einerseits und spirituelle Lehrer*innen andererseits stellt sich die wichtige Frage nach der Unterscheidung der „Geister“. Was gilt als „normal“, was gilt als spirituelle Krise und was als psychische Erkrankung? Und: Kann man alles wirklich so klar voneinander trennen? Oder bleibt die Frage nach dem Umgang mit all den Phänomenen offener denn je?

Kontakt und Beratung am Benediktushof

Sie haben weitere Fragen zum Benediktushof, unseren Kursen, dem spirituellen Verständnis am Hof und Ihrem spirituellen Weg? Sprechen Sie uns gerne an – alle Ansprechpartner finden Sie auf unsere Homepage unter „Beratung & Kontakt“.

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