Willkommen am Benediktushof, Andreas Hase!
Seit 1. Januar 2026 leitet Andreas Hase als neuer Geschäftsführer die Geschicke des Benediktushofes. Im Gespräch schildert er seine spirituellen Wurzeln, seine beruflichen Stationen sowie die ersten Eindrücke am Benediktushof und wirft mit uns einen Blick in die Zukunft.
Lieber Andreas Hase, Sie haben zum 1. Januar 2026 die Geschäftsführung am Benediktushof übernommen. Mögen Sie sich uns kurz vorstellen? Was waren wichtige berufliche und spirituelle Stationen in Ihrem Leben?
Andreas Hase: Ich komme ursprünglich aus der Hospitality Industry – aus der Praxis des Gastgebens. Ich habe über viele Jahre in der Hotellerie gearbeitet, auch international, und dabei gelernt, dass klare Abläufe, verlässliche Qualität und vor allem eine Kultur, in der Menschen sich gesehen fühlen, einen Ort wirklich tragen. Später war ich auch in Führungspositionen in größeren, international geprägten Strukturen tätig. Das hat meinen Blick für Organisation, Personalführung und wirtschaftliche Stabilität geschärft. Zuletzt war ich verantwortlich für eine große, gemeinnützige Einrichtung der Familienerholung an drei Standorten, mit insgesamt 800 Betten und rund 100.000 Übernachtungen jährlich.

Parallel dazu war Spiritualität immer eine echte Leuchtspur in meinem Leben. Christlich geprägt und sozialisiert, aber offen und überkonfessionell. Mich berührt besonders die Stille, die Mystik, die innere Sammlung, die ich schon vor vielen Jahren in den Büchern von Willigis Jäger kennenlernen durfte.
Die spirituelle Praxis hat mich dabei nie vom Alltag weggeführt, sondern mich dafür gefestigt. Das hat zu vielen Weiterbildungen geführt: Schreibtherapeut, Anleiter für Autogenes Training, Begleiter von Exerzitien in Karmelitanischer Spiritualität, Hospizmitarbeiter. Spirituelle Praxis ermöglicht seelisches Wachstum. Wir sollten sie nie aus den Augen verlieren!
Insofern fühle ich mich am Benediktushof zuhause, einem Kraftort, der beides zusammenführt: professionelle, herzliche Gastfreundschaft und einen ernst gemeinten Weg nach innen – offen für unterschiedliche mystische Traditionen.
Sie entdecken gerade Tag für Tag die verschiedenen Facetten des Benediktushofes, seine Menschen und spirituelle Ausrichtung: Was ist Ihr Eindruck jetzt in den ersten Tagen und Wochen? Welche Aspekte berühren und bewegen Sie besonders?
Andreas Hase: Mein erster Eindruck ist: Der Benediktushof ist ein sehr lebendiger Organismus und gleichzeitig von einer besonderen Stille getragen. Dieser Widerspruch ist nur scheinbar und diese Kombination spürt man sofort. Viele Orte sind entweder sehr gut organisiert oder sehr spirituell geprägt; aber hier ist beides da, hier berühren sich Herz, Seele und Geist. Ein einzigartig inspirierender Ort.
Besonders bewegen mich die Menschen, die ich bislang hier kennenlernen durfte: Gäste, Kursleiter*innen und die ehrliche Herzlichkeit des Teams. Die eindrucksvolle Art, wie hier eine Kultur der Achtsamkeit gelebt wird. Dazu gehört natürlich auch, dass Stille nicht nur „im Kurs“ stattfindet, sondern als Grundton im Haus erlebbar ist und so den Alltag und die Gedankenströme entschleunigt. Diese Stille, das durchgängige Schweigen, ist ja nicht Rückzug, sondern hilft, das Wesentliche in die Mitte zu rücken, sich zu sammeln und Kraft zu schöpfen.
Mein erster Eindruck ist: Der Benediktushof ist ein sehr lebendiger Organismus und gleichzeitig von einer besonderen Stille getragen.
Worauf freuen Sie sich in Ihrer neuen Rolle als Geschäftsführer? Wo sehen Sie spannende Herausforderungen?
Andreas Hase: Ich freue mich sehr auf das Zusammenspiel von glasklarer spiritueller Ausrichtung und dem starken Programm, das man so nirgendwo sonst findet. Gleichzeitig die Aufgabe, diesen Ort organisatorisch und wirtschaftlich so stabil zu führen, dass er langfristig genau diese Qualität halten und weiterentwickeln kann. Dabei sehe ich mich ausdrücklich als Teil des Ganzen. Die spirituelle Leitung gibt inhaltliche Impulse und gemeinsam sorgen wir mit allen Mitarbeitenden dafür, dass die Rahmenbedingungen stimmen – gastfreundlich, professionell, tragfähig. Erfolg ist immer ein Erfolg des Teams. Darauf freue ich mich!
Wenn Sie ein paar Monate vorausdenken, was wünschen Sie sich für das kommende Jahr?
Andreas Hase: Ich wünsche mir, dass wir gut in einen gemeinsamen Rhythmus finden: mit Gästen, als Team, mit den Kursleitenden und den vielen langjährigen Freund*innen und Partnern des Hofes. Konkret heißt das für mich, klare Prioritäten zu setzen, eine gute interne Abstimmung und einen spürbar ruhigen, verlässlichen Betrieb zu gewährleisten – damit die Menschen, die zu uns kommen, genau das finden, was sie suchen: Stille, Übung, Orientierung und Ermutigung. Und vor allem: Den Weg nach Innen.
Ich wünsche mir, dass dabei noch sichtbarer wird, wofür der Benediktushof steht. Er ist viel mehr als nur ein „Wohlfühlangebot“, kein „seelisches Wellnesscenter“, sondern ein aufrichtiger Ort der Sammlung, der Menschen in einer bewegten Zeit hilft, innerliche Balance und Klarheit zu bewahren und die eigene Haltung zu klären. Am Benediktushof ging es schon immer darum, Wege zu erschließen, die den Leib, also Körper, Herz, Psyche, Seele und Geist gleichermaßen integrieren und über Konfessionsgrenzen hinweg tragfähig sind.
Der Benediktushof steht seit 2003 – also seit fast 25 Jahren – für Meditation, Achtsamkeit, Kontemplation, Zen und den transkonfessionellen Dialog: Wo sehen Sie die gesellschaftliche und auch spirituelle Rolle, Aufgabe und Funktion des Benediktushofes aktuell und in der Zukunft?
Andreas Hase: Ich bin davon überzeugt, dass die gesellschaftliche Rolle des Benediktushofes eher größer wird. Wir erleben in diesen bewegten Zeiten, dass viele Menschen nach Sinn suchen, Fragen haben und sich nach Beständigkeit sehnen. Einen Weg finden wollen, der wirklich trägt. Der Benediktushof ist so etwas wie „ein Haus der Antworten“, denn hier ist ein Ort, an dem unterschiedliche Wege der Achtsamkeit, Zen, Meditation, der Kontemplation und des Gebets ernsthaft geübt werden. In einer verbindenden und verbindlichen Atmosphäre, die den wichtigen Dialog zwischen westlichen und östlichen Traditionen lebendig hält. Das ist wohl die wichtigste gesellschaftliche Aufgabe, die der Benediktushof hat.