Bin ich offen für Frieden?

Impulsbeitrag von Maria Kolek Braun, Kontemplations-Lehrerin der Linie „Wolke des Nichtwissens“ und Mitglied der Spirituellen Leitung am Benediktushof

Die Sehnsucht nach Frieden ist so alt wie die Menschheit. Nicht erst in der Weihnachtsgeschichte der Bibel begegnet uns dieser tiefe Wunsch in dem vielen bekannten Satz „Und Frieden auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens“ (Lukas 2,14)

Wir wissen es alle: Friede fängt bei mir selbst an.

Was hindert uns, in Frieden zu sein mit sich selbst und mit den Mitmenschen?

Wir wollen im Recht sein, wir wollen gut dastehen, wir wollen etwas sein und darstellen.

Wir sollten unsere Gedanken und Gefühle sehr genau beobachten. Wie oft bewerten, ja verurteilen wir, wenn uns jemand nicht sympathisch ist oder eine andere Meinung vertritt als wir selbst. Oder wir sind in Habachtstellung und einer Verteidigungshaltung.

Es würde etwas lösen, wenn wir uns zugestehen könnten, dass auch wir selbst wirklich unsere Schattenseiten haben, nicht perfekt sind, nicht unbedingt die richtige Lösung kennen. Es würde etwas lösen, wenn wir uns selbst mit unserem Geworden-Sein, unserer Biographie annehmen und uns zugleich nicht so wichtig nähmen.

Wenn die Welt für einen Moment aufhört zu rennen, höre ich die Stimmen der Bäume, die sagen: Frieden ist nicht das Ziel, sondern die Art, wie wir gehen

(Autor unbekannt)

Dass sich das Ich durch diese Außenpräsentation so aufrechterhalten muss, zeigt, dass es das Eingebundensein ins Leben als Ganzes nicht wahrnimmt. Es fehlt das Vertrauen ins Leben. Der Kern all‘ der Selbstdarstellung ist in der Angst vor dem Geheimnis des Lebens begründet. „Nur die Liebe – die Demut bedeutet – kann die Angst austreiben, die an der Wurzel aller Kriege liegt“, heißt es bei Thomas Merton in seinem Werk „Christliche Kontemplation“.

Wenn wir uns für diesen Augenblick öffnen könnten, so wie er sich jetzt vollzieht, und unsere eigene Ich-Aktivität relativieren könnten, wäre der erste Schritt getan. Es gäbe mehr Raum für die Perspektiven der anderen, für das Leben.

Johannes Tauler sagt es sehr deutlich: „Aller Jammer kommt allein davon, dass wir etwas sein wollen. Das Nichts-Sein hätte (…) an allen Leuten (…) wesentlichen Frieden“. Dieser Satz findet sich auch in den Rezitationsheften am Benediktushof und wird in vielen Kursen gelesen.

Bin ich offen für Frieden?

In diesem Augenblick bin ich im Frieden – oder bin es nicht. Es ist die Einstellung, wie ich meinen Alltag lebe: Mit welcher inneren Haltung bin ich da? Bin ich offen für den Frieden? Frieden, der Stille und immer da ist? Bin ich offen, dass dieser Friede durch mich durchscheinen darf und für mich und für andere wahrnehmbar wird?

Wenn es uns gelingt, immer wieder aufs Neue, wenigstens für einen Moment, das Konstrukt unseres Ichs, die eigenen Gedanken und Gefühle, hintan zu stellen und einfach zu lauschen, mit nicht-wissendem Herzen zu gehen, wären das weihnachtliche Momente. Auch inmitten der arbeitsintensiven Vorweihnachtszeit (nicht erst irgendwann und irgendwo) gibt es sie. Unerwartet. Verpassen wir sie nicht.

Das Autorinnengespräch mit Maria Kolek Braun findet am Dienstag, 9. Dezember um 19.30 Uhr statt – online & kostenfrei via Zoom.

Zum spirituellen Impulsbeitrag gibt es das „Autorinnengespräch“, ein Format, in dem sich interessierte Leser*innen und Kursteilnehmer*innen des Benediktushof zusammen finden, um gemeinsam mit dem Autor/der Autorin über den Impuls zu reflektieren.  Der gemeinsame Austausch kann eine sinnvolle und hilfreiche Ergänzung zur eigenen spirituellen Praxis sein. Der Ablauf ist dabei stets: Vortrag – Austausch in Kleingruppen – Fragen & Antworten im Plenum. Das ganze findet kostenfrei, online via Zoom statt. Anmeldung über den Button unten (gleicher Link wie beim Online-Sitzen in Stille).

Beitragskategorien

Maria Kolek Braun

katholische Dipl.-Theologin, Germanistin. Sie ist Kontemplationslehrerin der Linie "Wolke des Nichtwissens" (Willigis Jäger) und Mitglied der spirituellen Leitung am Benediktushof. Sie lebt in der Schweiz und arbeitet nach Jahren in der Gemeindearbeit und Krankenhausseelsorge jetzt im Leitungsteam der Spital- und Klinikseelsorge im Kanton Zürich. Sie ist MBSR-Lehrerin und Vorstandsmitglied im Würzburger Forum der Kontemplation (WFdK).
 
Der Weg in eine fundierte Meditationspraxis – Kontemplation & Spiritualität

Der Weg in eine fundierte Meditationspraxis – Kontemplation & Spiritualität

16. Januar 2026
Meditation & Gesundheit | Was muss ich wissen und beachten, wenn ich mit Meditation beginnen möchte – zum Beispiel in der Tradition des Zen oder ...
Willkommen am Hof, Andreas Hase! – Spiritualität, Zen & Kontemplation

Willkommen am Hof, Andreas Hase! – Spiritualität, Zen & Kontemplation

16. Januar 2026
Neue Geschäftsleitung | Seit 1. Januar 2026 ist Andreas Hase Geschäftsführer am Benediktushof. Von seinen ersten Eindrücken, spirituellen Wurzeln, Lebensstationen und worauf er sich besonders ...
Terminvorschau 2026 – Kontemplation, Zen, Achtsamkeit und Spiritualität

Terminvorschau 2026 – Kontemplation, Zen, Achtsamkeit und Spiritualität

22. Dezember 2025
Termine 2025 | Eine Übersicht über die Termine der Symposien, Angebote der Stiftung, Newsletter & Autorengespräche und der Meditation am Samstag finden Sie hier im ...