Benediktushof - Zentrum für spirituelle wege
Willigis Jäger Ostergruß
 
Ostergruß von Willigis Jäger Drucken

Gott will gelebt werden - Unser wahres Wesen erkennen

 

In seinem Ostergruß legt Willigis Jäger dar, worin für ihn - im Gegensatz zur traditionellen christlichen Sichtweise - der Kern der österlichen Botschaft besteht: "Auferstehung findet nicht irgendwann statt."

 

Sicher haben einige von Euch die Zeitschrift „Publik Forum" gelesen und die Auseinandersetzung über meine Vorstellungen von Mystik. Jetzt ist auch noch ein Buch erschienen „Mystik – der wahre Weg zu Gott?", in dem kontroverse Beiträge zum Thema Mystik und zur „Einstellung von Willigis Jäger zur Mystik" erschienen sind. Die Kontroverse wird weiter gehen. Ich halte es auch für gut. Es sollte klar werden, dass auch die christliche Mystik das personale Gegenüber zurücklässt und in eine Einheitserfahrung mit dem göttlichen Urgrund, Leerheit, Brahman usw. mündet. – In meinem Buch Kontemplation – ein spiritueller Weg, (Verlag Herder), habe ich noch einmal die christlichen Mystikerinnen und Mystiker wie Marguerite Porete, Meister Eckhart, den Schreiber der „Wolke des Nichtwissens", Johannes vom Kreuz, Teresa von Avila herausgestellt.

 

In meinen 86 Jahren Lebenszeit sind mir immer wieder in meinen Kursen Menschen begegnet, die einen solchen Durchbruch ins Eine erfahren durften. Für viele war es zunächst ein erschreckender Schock, wie ich auch von mir sagen kann, aber dann entfaltete sich dieser rational nicht mehr begreifbare Urgrund, der dem ganz gewöhnlichen Alltagsleben seine wirkliche, aber ganz neue Bedeutung schenkt. – Ich weiß, dass das vielen nicht nachvollziehbar ist. Wer im rationalen Bereich stehen bleibt, wird das nie begreifen. C. G. Jung hatte sicher tiefe mystische Erfahrungen. Seinen Kritikern hält er einfach entgegen:

 

„Religiöse Erfahrung ist absolut. Man kann darüber nicht diskutieren. Man kann nur sagen, dass man niemals eine solche Erfahrung gehabt habe. Wer sie hatte, wird sagen: ‚Ich bedauere, aber ich hatte sie'. Und damit wird die Diskussion zu Ende sein. Es ist gleichgültig, was die Welt über die religiöse Erfahrung denkt; derjenige, der sie hat, besitzt den großen Schatz einer Sache, die ihm zu einer Quelle von Leben, Sinn und Schönheit wurde, und die der Welt und der Menschheit einen neuen Glanz gegeben hat." (C. G. Jung, Zur Psychologie westlicher und östlicher Religion, Band II, Olten 1971, S. 116).


Beatrice Grimm und Franz Nikolaus Müller haben das in meinem Buch "Kontemplation" in einem Beitrag weiter ausgeführt und den Weg dorthin aufgezeigt. Die offizielle Kirche wird sich dagegen wehren. Sie schaut leider rückwärts und bleibt im rationalen und personalen Bereich stehen und verurteilt viele, die von einer tiefen mystischen Erfahrung sprechen.

 

Arnold Angenendt weist in seinem Buch „Toleranz und Gewalt" nach, dass die Kirche sehr, sehr viele christliche Mystiker umgebracht hat. (S. 106 ff) – Auch die Mystiker im Islam hatten immer wieder Schwierigkeiten. So wurde Haladsch hingerichtet, weil er sagte: „Ich bin der, den ich liebe, und der, den ich liebe, ist ich'' und „Meinst du, ich betete, um Ihn zufrieden zustellen?" (Halladsch, O Leute, rettet mich vor Gott, Herder TB) Katharina v. Siena wagt zu sagen: „Mein Sein ist Gott, nicht bloße Teilhabe, sondern eine wirkliche Verwandlung meines Seins. Mein Ich ist Gott!" Und Juliane von Norwich sagt: „Sieh! Ich bin Gott! Sieh! Ich bin in allen Dingen! Siehe! Ich tue alle Dinge!" Und Hadewijch von Antwerpen: „Die Seele wird mit Gott genau das, was er ist."

 

Diese Texte sagen nicht, dass unser Ich Gott ist, sondern dass unser wahres Wesen hinter dem Ich aus diesem göttlichen Urgrund kommt und spricht. Wir sind ein Wellenschlag in diesem zeitlosen Ozean, den wir Gott nennen. „Gott" will gelebt werden, genau in dieser Form, die er mir gegeben hat. Das ist der einzige Grund, warum ich dieser Mensch geworden bin. Das ist auch der Kern der Osterbotschaft.

 

Auferstehung findet nicht irgendwann statt. Als hier und jetzt kann ich sie begreifen und mein Leben entsprechend leben. – Wer sein traditionelles christliches Selbstverständnis leben kann und will, soll das tun. Aber ich weiß, dass sehr viele Suchende ausgestiegen sind und nicht wissen, wohin ihr Weg führen soll. Ihnen möchte ich helfen, ein Ja zu diesem Leben zu sagen, denn es ist nicht unser Leben, das wir leben, sondern das Leben dieses göttlichen Urgrundes.


Ich bin dankbar, mit Euch auf dem Weg zu sein. Seid alle aus tiefstem Herzen gegrüßt.

 

Willigis
 

 

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