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Heilung als spiritueller Prozess


In seinem Beitrag beschäftigt sich Matthias Lauterbach mit Heilung als ganzheitlichem Prozess. Wenn wir uns auf dem Weg zum Heilsein wieder an die göttliche Mitte anschließen, erwache ein Bewusstsein für die Sinnhaftigkeit des Lebens. Das bedeute nicht notwendigerweise, dass Erkrankung und Leiden vollständig verschwinden.
 

Heilung bedeutet in einem spirituellen Verständnisrahmen deutlich mehr als die medizinische Intervention, die auf die Beseitigung einer Krankheit bei einem Patienten gerichtet ist.

 
Heilsein und Heilung beziehen sich auf die Einheit und die Ganzheitlichkeit von Körper, Geist und Seele als Ausdruck der Verbundenheit allen Seins. Die ethymologischen Verwandten heilig, heal, whole, holy verweisen auf diese tief verwurzelten Zusammenhänge. Zu den wichtigsten krankheitsfördernden Faktoren gehören die Trennung und Abspaltung aus dem Erleben von Verbundenheit und Liebe. Unser Streben nach Autonomie hebt das Trennende in den Vordergrund und schneidet uns von den Verbindungen mit den Menschen, von der Liebe von den Quellen unseres lebendigen Seins ab. Wir wissen schon lange, dass Kinder sterben, wenn ihnen solche Trennungen zugemutet werden. Wir überleben nicht als Monaden.
 
Heilsein verbindet uns - wie Willigis Jäger sagt - mit dem Urgrund allen Seins, mit dem Göttlichen und schließt alles mit ein. Heil werden wir dann dadurch, dass wir uns an unsere göttliche Mitte wieder anschließen, uns für die heilende Mitte öffnen.
 
Als Mensch bin ich Teil des Vollzuges göttlichen Lebens, bin ein Tanzschritt, in dem sich das Göttlich manifestiert. Heilung ist deshalb immer ein spiritueller Vorgang, der diese Verbindung mit dem Göttlichen wiederherstellt und vertieft. In der Heilung erkennen wir uns als mit Allem verbundenen Teil der Schöpfung. Heilung umfasst damit alle Ebenen das Seins. Medizinische Interventionen bleiben auf der Ebene von Reparaturen des Körpers, den wir haben - solange die damit verbundene Heilung nicht in dem großen Zusammenhang erlebt wird: den Geist auf Liebe und Verbundenheit auszurichten, in eine Haltung des Einbeziehens statt der Trennung zu kommen.
 
Sharon Salzberg sagt: "Die rätselhafte Wurzel des Heilens heißt Verbundenheit" und zitiert den Schriftsteller Wendell Barry: "Die kleinste Einheit der Gesundheit ist die Gemeinschaft"(41).
 
Jeder Mensch ist in seinem innersten Kern absolut heil und ganz. Die Frage ist, ob wir damit in Verbindung sind: halten wir Heilung für möglich? Im Alltag medizinischer Versorgung und meist auch in dem persönlichen Erleben von Krankheit prägen starre Annahmen und vernichtende Gedanken das Geschehen. Platsch spricht von der Notwendigkeit heilender Felder, die kein Ort sind, sondern ein innerer Zugang zu dem Gesamt aller Heilungsmöglichkeiten, eine Öffnung für das innere Heilwissen (13). Es geht nicht um das Schönreden einer schmerzhaften, bedrohlichen Situation, sondern um den Kontakt zu dem heilsamen Energiefeld als einem Meer aller Möglichkeiten. Ähnlich würden die Quantenphysiker Heilung beschreiben als Transformation von Energien - welche Form der Heilung dann auch immer emergiert. "Die Sprache der modernen Physik besteht im Grunde nur aus Verben, die den Verben aus dem uns vertrauten Leben nahe sind: leben, lieben, wahrnehmen, binden, wirken, sprudeln." (Dürr, 24)
 
Heilung bedeutet nicht die Wiederherstellung des Vorher, sondern eine heile Form des Nachher. Der Heilungsprozess verändert das Erleben sehr umfassend. Es entwickelt sich neben der Öffnung spiritueller Verbindungen eine tiefere Selbstwahrnehmung, eine heilsame Veränderung von Haltungen und Werten, ein Bewusstsein für Stimmigkeit und Sinnhaftigkeit des Lebensprozesses, ein neues Erleben von Verbundenheit und Liebe mit Menschen und Natur.
 
Die Kunst der Achtsamkeit (als der von Bewusstheit umspülten Aufmerksamkeit) gilt heute als der wichtigste Navigator durch die Parameter von Heilsein. Die Praxis besteht darin, so gegenwärtig und bewusst wie möglich zu sein und durch den Alltag zu gehen. Es ist eine Übungspraxis des Gewahrbleibens für alles was in dem Moment geschieht. Achtsamkeit wird "für jeden von uns in dem Moment des Beginnens lebendig, mit jedem neuen Beginn erneut. Das ist das Herz der Praxis." (Salzberg, 53)
 
Heilung und Heilsein sind nicht gebunden an das vollständige Verschwinden einer Erkrankung. „Gesund ist ein Mensch, der mit oder ohne ... Mängel seiner Leiblichkeit allein oder mit Hilfe anderer, Gleichgewichte findet, entwickelt und aufrechterhält, die ihm ein sinnvolles, auf die Entfaltung persönlicher Anlagen und Lebensentwürfe eingerichtetes Dasein und die Erreichung von Lebenszielen in Grenzen ermöglichen, so, dass er sagen kann: mein Leben; dazu gehört auch meine Krankheit, mein Sterben.“ (Hartmann, 39) Auch dem Kranksein und dem Leiden einen Platz in der erlebten Stimmigkeit und Sinnhaftigkeit zu geben und damit die inneren Gegensätze zu verbinden, führt zu dem umfassenden Erleben von Frieden (Platsch 190). Zu dieser Ganzheitlichkeit, dieser Balance des Lebens gehört auch die Eigenverantwortlichkeit für Heilsein und Heilung als Ausdruck der Würde des Menschen.
 
Heilung gelingt dann, wenn wir uns mit dem verbinden, was über uns hinausweist. "Menschsein weist immer schon über sich selbst hinaus" (100) sagt Viktor Frankl.  Liebe ist der allem Seienden innewohnende Drang zur Selbsttranszendenz (Jäger, 112). Das Göttliche in uns ist das alles, auch Leiden ist ein Teil des göttlichen Tanzes. Dieses Bewusstsein verbindet uns mit dem Göttlichen und kann die Energien für eine Heilung auf allen Ebenen bereitstellen.
Viele Forschungsrichtungen können heute die Ansätze der Mystik, der Achtsamkeitspraxis etc. auf Gesundheit und Krankheit wissenschaftlich fundiert beleuchten.
 
Neurobiologische Forschung zeigt auch Skeptikern, wie das sichtbare "Substrat" innerer Prozesse der Heilung wirkt: "Die Fähigkeit zur Öffnung und Erweiterung der großen Bühne, auf der die von bestimmten inneren Bildern gelenkten Stücke aufgeführt werden" sind die Kräfte, die auch heilende Stücke zur Aufführung bringen und damit Gehirn und Genom (im Zellkern verankerten Nukleinsäuresequenzen) beeinflussen (Hüther, 108) Der Organismus weiß es "mit jeder Zelle". Heilsame Bilder können den Menschen helfen, gesund zu bleiben und zu werden und sich als heil zu erkennen.
 
Ähnliches zeigt sich in der Placeboforschung, wenn schlichter Milchzucker bei bestimmten Vorannahmen und Bildern das Heilungswissen des Organismus aktivieren kann. Die Heilkraft liegt im Menschen selbst.
 
Die Immunforschung (Psychoneuroimmunologie) kann für viele der erfahrungsbasierten Zusammenhänge von Heilung heute die biologischen Wirkfaktoren nachzeichnen und z.B. zeigen, welche Effekte Faktoren wie "soziale Unterstützung", Gedanken, Bewertungen von Herausforderungen usw. auf wichtige Aspekte des Heilseins, wie Infektionsresistenz oder Wundheilung haben.
Ob medizinische Interventionen gelingen oder nicht, wie sich körperliche Heilungsprozesse gestalten, ist eng mit den psychosozialen, emotionalen und spirituellen Dimensionen verbunden - auch dafür versteht man heute in vielen guten Ansätzen sogar den biologischen Hintergrund.
 
Die spirituelle Sinngebung ist für die Erhaltung und Wiederherstellung von Gesundheit und für Heilungsprozesse von herausragender Bedeutung. Dabei wird die spirituelle Gesundheit als die "vierte Dimension" der Gesundheit (neben der körperlichen, seelischen und sozialen) bezeichnet. Sie ist aber nicht nur eine Dimension unter mehreren: sie ist übergeordnet und verbindet die anderen Dimensionen und lässt das Empfinden von Vollständigkeit, Ganzheit emergieren das "whole", das Heilige.
Heilung ist also immer ein heiliger Moment.

Matthias Lauterbach, 7. 2. 2011
 
Informationen zum Autor finden Sie hier
 
 
Literatur
Dürr, H.-P., Panikkar, R. (2008): Liebe - Urquelle des Kosmos. Freiburg (Herder).
Frankl , V. (1979/1985): Der Mensch vor der frage nach dem Sinn. München (Piper)
Hartmann, F. (1993): Chronisch krank oder bedingt gesund? In: Hammer, C. u. Schubert, V.: Chronische Erkrankungen und ihre Bewältigung. Starnberg (Schulz).
Hüther, G. (2010): Die Macht der inneren Bilder. Göttingen (Vandenhoeck&Rupprecht).
Jäger, W. (2007): Die Welle ist das Meer. Freiburg (Herder).
Platsch K.-D.: Das heilende Feld. München (Barth).
Salzberg, S. (1999): Ein Herz so weit wie die Welt. Freiamt (Freiamt).
 

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