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Jeder Tag ein guter Tag oder doch der ganz normale Alltagswahnsinn?

Alexander Poraj spricht über die Ent – Täuschungen beim Sitzen in der Stille

 

 
Worum geht es in der Übung des Stillen Sitzens? Wieso fällt sie uns oft so schwer und was hat es mit dem Streben nach der "Erfahrung" auf sich? In seinem Beitrag wendet sich Alexander Poraj den Fragen zu, die viele Suchende auf dem spirituellen Weg plagen.

 

Ein Großteil der Menschen, die regelmäßig zu uns auf den Benediktushof kommen, haben sich zu Beginn ihres Weges unter den spirituellen Übungen (Zen oder Kontemplation) etwas anderes vorgestellt, als das, was sie im Laufe der Zeit auf dem Kissen erfahren.

 

Viele haben eine solche spirituelle Übung gewählt, weil sie sich in einer persönlichen Krise befanden und sich erhofften, dank einer Erleuchtungserfahrung diese beenden zu können. Diese Hoffnung und ihre häufige Enttäuschung verwundern nicht. Es gibt auf dem Markt eine Reihe von Publikationen über Zen oder Kontemplation, in denen Zustände und Gefühle beschrieben werden, die geeignet sind, alles bis dahin von uns Erlebte in den Schatten zu stellen.

 

Dass solche Beschreibungen Hoffnungen wecken ist verständlich und auch berechtigt, ja sogar richtig. Es gibt sie nämlich, die Zustände, in denen wir die Realität anders erleben als sonst. Und es gibt Erfahrungen, die im Zusammenhang mit unserer Übung stehen, und die ein Vorher und Nachher in unserem Leben markieren.
 

Und es gibt Menschen, die solche Erfahrungen machen. Und es gibt Menschen, die, obwohl sie lange Zazen oder Kontemplation üben, noch nichts „Besonderes“ erfahren haben. Viele Menschen kommen in die Einzelgespräche, um über gemachte Erfahrungen zu sprechen oder sich über ihr Ausbleiben zu beklagen.
Manche Personen hoffen noch, in den Genuss solch einer Erfahrung zu kommen. Andere versuchen, der Übung etwas anderes abzugewinnen; weil sie das Erreichen solch einer Erfahrung für sich selber ausschließen. Wieder andere verabschieden sich und versuchen, der gewünschten Erfahrung in anderen Traditionen und Übungen nachzugehen oder sie lassen das „ganze Zeug mit der Spiritualität“ auf sich beruhen.

 

Um was geht’s?
Um was geht es eigentlich bei unserer Übung? Beim Zazen oder in der Kontemplation? Zugegeben: es geht um „Erfahrung“. Um die Erfahrung schlechthin! Und um welche Erfahrung geht es? Es geht einzig und alleine darum, die Erfahrung zu machen, die wir machen, wenn wir üben.
Und was üben wir? Wir üben, indem wir das Sitzen in Stille praktizieren. Das bedeutet nichts anderes, als dass wir die Erfahrung des Sitzens in der Stille machen können, während wir das Sitzen in der Stille praktizieren.
Mit anderen Worten: wir sollten nicht Zazen oder Kontemplation so praktizieren, als wäre dies ein Mittel, um eine Erfahrung zu machen, die dann quasi außerhalb unserer Übung selbst läge. Nein, genau so nicht!
 

Wir praktizieren nicht das Sitzen in Stille als Übungsweg, um etwas anderes zu erreichen, sondern wir „sind“ das Sitzen in Stille. In der Praxis fallen Handlung und Sein zusammen. Zazen oder Kontemplation üben nicht. Sie sind.
Warum ist diese Übung so problematisch, wenn sie, wie eben beschrieben, so einfach sein könnte, ja es letztlich auch ist? Die Hauptschwierigkeit liegt wohl darin, dass wir mit dem, was ist, selten zufrieden sind. Und wie es das Wort „zufrieden“ bereits selbst zum Ausdruck bringt: Wir sind mit dem, was ist, nicht zufrieden, weil wir in dem was ist nicht zum Frieden kommen. Das bedeutet letztendlich: Die Quelle unserer anhaltenden Unruhe ist die Ablehnung von dem was ist - und nichts anderes.
 

Unser Geist erlangt dann seine natürliche Ruhe, wenn er aufhört sich gegen die in ihm auftauchende Erfahrung zu wehren. Das bedeutet wiederum, dass ich während einer längeren Sitzperiode ganz das Sitzen bin, ja ganz die Langeweile, der Atem, das Mu, der Laut oder das Wort, ganz je nach persönlicher Übung. Wenn ich endlich aufhöre zu wählen, zu erwarten und zu hoffen, dass sich eine andere Erfahrung einstellt als die, welche gerade da ist, dann bin ich im gleichen Augenblick ganz da und das heißt ganz eins mit dem, was da ist. Ich bin zufrieden.
 

Das ist das geheime Tor zu jeder weiteren Erfahrung. Dieses Tor muss von uns durchschritten werden. Atemzug um Atemzug. Jede- absolut jede Erfahrung setzt unsere Anwesenheit voraus. Und je mehr wir da sind, desto mehr und intensiver wird die Erfahrung immer schon und immer nur von dem was ist und so, wie es wirklich ist.


Die Dinge sind gut, nicht weil sie unseren Erwartungen entsprechen, sondern weil sie sind. Sie laden uns ein mit ihnen zufrieden zu sein, indem wir in ihnen zum Frieden kommen. Dieses ist unsere alltägliche Übung, nicht nur die auf dem Kissen. Sie bezieht den ganzen alltäglichen Wahnsinn mit ein, weil er ist, so wie er ist und weil er so, wie er ist, gut ist, sonst wäre er nicht da.

 

Alexander Poraj, Juli 2011

 

 

 

 

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