Benediktushof - Zentrum für spirituelle wege
Kontemplation
 
Doris Zölls: Christgeburt Drucken

Christus als das wahre Selbst allen Seins

 

Mit der Adventszeit beginnt nach dem Kirchenkalender das Neue Jahr  – nicht wie wir es gewohnt sind an Silvester, wo wir mit Raketen und Sekt das Neue Jahr lautstark begrüßen. Nein, das Neue Jahr beginnt mit einer im Grunde genommen stillen Zeit, die als Vorbereitung und Einstimmung für die Christgeburt gedacht ist und früher sogar als eine 40-tägige Fastenzeit begangen wurde. Natürlich plante und richtete man alles für das große Fest der Weihnacht, doch war die Zeit bestimmt, von Dunkelheit und dadurch notgedrungen von Rückzug und Stille. 

 
Heute hat sich dies völlig gewandelt. Die Adventszeit wird heute bereits wie die Weihnachtszeit gefeiert. Weihnachtslieder werden gespielt, Lichter überall entzündet, Glühwein und Weihnachtsgebäck gereicht und auch der Weihnachtsbaum bekommt schon in der Adventszeit seinen Platz. Wir brauchen uns der dunklen Zeit nicht mehr aussetzen, sie nicht mehr aushalten. Die Elektrizität ermöglicht uns, die Nacht zum Tag zu machen, die dunklen Nächte in hellem Glanz erstrahlen zu lassen. Die Natur gebietet uns nicht mehr die Ruhe und den Rückzug. Das, was unbewusst sich früher einfach naturgemäß lebte, gibt es nicht mehr. Wir unterliegen nicht mehr den Rhythmen der Natur. Wir haben die Möglichkeit, Tag und Nacht, Werktag wie Feiertag, zu Hause oder unterwegs zu arbeiten. 
 
Das bringt Vorteile, aber birgt auch die Gefahr, dass wir keine Zeiten der Stille und des Rückzuges mehr haben, und uns dadurch überlasten und uns überfordern. Heute stehen wir daher vor der großen Herausforderung, bewusst unser Leben selbst zu gestalten. Wir werden damit konfrontiert, uns bewusst selbst Ruhezeiten und Stille aufzuerlegen, um nicht von den Aufgaben erdrückt zu werden. Wir werden gezwungen, uns freiwillig und nicht weil es die Not verlangt, zu beschränken, um nicht aus allen Fugen zu geraten. War früher das Fasten schon auf Grund der Jahreszeit und den äußeren Bedingungen vorgegeben, haben wir in unserer Gesellschaft heute die Möglichkeit, uns unentwegt in alle Richtungen dem Überfluss hinzugeben. 
 
Auf der einen Seite erleben wir dies als wunderschön und befreiend, auf der anderen Seite erfahren wir jedoch auch, dass die Freiheit, alles zu jeder Zeit zu haben und tun zu können, uns nicht zufriedener macht, ja im Gegenteil, das Gefühl des Mangels wird sogar größer. Obwohl wir so viel haben, spüren wir, uns fehlt etwas. Dieses Etwas ist jedoch nicht ein Mehr, sondern ein Weniger. Das können wir kaum glauben und so gehen wir immer wieder in die Richtung nach mehr, denn weniger zu leben fällt uns in den ersten Momenten viel schwerer. Stille und Dunkelheit, Begrenzung und Abgeschiedenheit machen uns erst einmal Angst. Lassen wir uns darauf ein, werden wir uns eingeengt und verloren erleben. Wir werden auf uns selbst zurückgeworfen und da scheint auf den ersten Blick nichts zu sein, nichts fesselt mehr meinen Geist. Es erscheint alles langweilig und trist. Die Versuchung und der Drang, sich doch wieder abzulenken, lockt. 
 
Halten wir jetzt die Stille aus, bis unsere Gedanken zur Ruhe kommen, was natürlich geraume Zeit dauert, bis das Chaos sich in unserm Kopf beruhigt, dann werden wir erleben, wie die äußere Ruhe in uns einzieht und sich in uns ausbreitet. Jetzt wird der Boden für unsere Christgeburt bereitet. Stille und Rückzug erleben wir im ersten Moment wie einen ärmlichen, windigen Stall. Wir erleben uns von den Menschen getrennt, von niemandem beachtet, doch genau das ist der Ort und die Zeit, wo die Weihnacht geschehen kann, wo in uns sich die Christgeburt ereignen kann. Wir erleben unser inneres Kind, wie es heute in der Psychologie genannt wird. Wir erleben unser wahres Selbst, das frei ist von der Sorge, nicht genug zu haben, das frei ist von dem Gefühl, getrennt und abgesondert zu sein von der Welt. Wir werden eins mit unserem wahren Selbst. Christus wird in uns geboren, Christus, das wahre Selbst allen Seins. Einsamkeit eröffnet mir das Eins-Sein mit allem Sein, der Rückzug lässt mich mit allem verbunden erfahren, die Enthaltung entfaltet in mir die Fülle. Ich erlebe die Christgeburt.
 
Ich wünsche Euch diese gesegnete Weihnacht
Doris
 
 
 
 
 

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