Benediktushof - Zentrum für spirituelle wege
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Freundeskreistreffen vom 11.-13. November 2011

Thema: Nachhaltigkeit und Spiritualität

 

„Was ist die Alternative zum Kapitalismus?“ – mit dieser Frage titelte „Die Zeit“ einen Tag vor dem diesjährigen Freundeskreistreffen am Benediktushof. Die Euro- und Schuldenkrise hatten in den letzten Monaten diese Frage immer dringlicher werden und das Thema „Nachhaltigkeit“ in die Mitte der Gesellschaft rücken lassen. 

 

 

So waren auch die Fragen brandaktuell, denen sich die rund 100 Teilnehmer im November beim diesjährigen Freundeskreistreffen widmeten: Gibt es Alternativen zum Kapitalismus? Was bedeutet Nachhaltigkeit eigentlich und wie lässt sie sich tiefgreifend umsetzen? Und vor allem, was kann der Einzelne tun? lauteten die Themen, die sich das Wochenende über als roter Faden durch die Vorträge und Workshops zogen. Organisiert wurde die Veranstaltung – die bereits mit der Gründung des Würzburger Hauses St. Benedikt im Jahr 1982 etabliert wurde – von den  „Freunden und Förderern“ der Stiftung West-Östliche Weisheit, in diesem Jahr federführend von Ludger Beckmann, Jochen Niemuth und Susanne Schwinn. Im Mittelpunkt steht dabei der bewusste Austausch, der die Teilnehmer in diesem Jahr sehr direkt auf den berühmten „Marktplatz“ führte, also mitten in ihren Alltag.

 

 

„Das kann kein Mensch mehr durchschauen“

 

Prof. Dr. Margrit Kennedy befasst sich seit 30 Jahren mit der Thematik Geld, „anfangs sehr widerwillig, aber das Thema ließ mich nicht los“, wie die heute 72-jährige Kapitalismuskritikerin und Autorin zugibt: „Und seit 2008 hören mir die Menschen plötzlich zu“. Sie skizzierte in ihrem Vortrag die Grundlagen des Systems „Geld“ und zeigte mit wenigen Beispielen auf, wie unüberschaubar es geworden ist. Im Mittelpunkt ihrer Kritik steht die Praxis von Zins und Zinseszins, heute die Grundlage aller Wirtschaftssysteme  -  „ein fundamentaler Fehler“,  so Kennedy, der mitverantwortlich sei für den Druck stetiger Gewinnmaximierung und die sozial ungerechte Umverteilung.

 

„Seit den fünfziger Jahren ist das Geldvermögen um das 46-fache gestiegen“, gab Kennedy zu bedenken und wies auf die Kehrseite hin: Wo Geldvermögen entstehe, entstünden immer auch Schulden. Wo es Gewinner gäbe, gäbe es immer auch Verlierer. Gleichzeitig drohe das Geld zusehends seine eigentliche Funktion als verlässliches Tauschmittel zu verlieren: „Stellen Sie sich vor, die Einheiten für Meter oder Kilos würden ständig wechseln, bei Geld passiert das täglich.“  Um weltweit die Realwirtschaft, also den Handel mit Gütern, abzudecken seien gerade mal zwei Prozent des Geldvermögens nötig. Die restlichen 98 Prozent ergäben sich durch die Transaktionssummen auf den Finanzmärkten – und die erreichten immer abenteuerlichere Höhen: „Und kein Mensch weiß heute noch, was eigentlich in den unzähligen Fonds steckt. Das ist wie Casino!“ Die momentane Flucht der Anleger in reale Werte wie Bodenschätze sieht die Professorin mit Sorge: „Aus der Erfahrung der Geschichte ist das der Vorbote eines Kollaps“.

 

Kennedys dringlichste Forderung lautet  „Redet endlich über Geld“. Ihr aktuelles Buch, das im Dezember erscheint, hat die Ökonomin  „Occupy Money“ („Besetzt das Thema Geld“) betitelt - wohl auch in Anlehnung an die Occupy-Bewegung, die an den zentralen Plätzen der Finanzwelt gegen das System protestiert: „Die Menschen akzeptieren das System als das einzig möglich, ohne es zu hinterfragen.“ Dass ein ethisches Bankwesen realisierbar sei, stellten inzwischen rund 70 Institute weltweit unter Beweis, vier davon in Deutschland: Sie dienten nicht der Geldvermehrung und Gewinnmaximierung, sondern ökologischen und sozialen Zwecken. Auf regionaler Ebene seien bereits zahlreiche Alternativ-Modelle entstanden, beispielsweise komplementäre Währungen oder alternative Tauschmodelle wie Zeit- und Pflegekonten: „Schließen Sie sich Menschen an und unterstützen Sie regionale Projekte, wo Sie nur können. Allein kann man nur wenig ausrichten“, so der Ratschlag Kennedys für eine grundlegende Veränderung des Systems.

 

 

„Don’t wait, innovate“

 

Dass nachhaltiges Wirtschaften oft nicht mehr braucht, als kreative Ideen und Begeisterung – und das kombiniert mit pfiffigem Marketing  - zeigte Alistair Langer dem Freundeskreis am Benediktushof auf. Langer selbst ist in einer ökologisch orientierten Wohngemeinschaft im Bayerischen Wald aufgewachsen, hat Jura, Volkswirtschaft, Philosophie und Soziologie studiert, über vier Jahre das Magazin „Forum – nachhaltig wirtschaften“ mitbegründet und sich schließlich 2009 selbstständig gemacht. Als Freiberufler coacht er unter anderem junge Start-ups. Mit seinen 32 Jahren war der Berliner wohl der Youngster der Runde und wusste sein Publikum herauszufordern. So überließ er es den Zuhörern selbst, sich in einer kurzen Meditation und anschließendem Austausch mit dem Thema „Die Verantwortung der Unternehmen“ auseinanderzusetzen.

 

Sehr anschaulich stellte er verschiedenste Möglichkeiten vor, wie man erfolgreich und gleichzeitig nachhaltig wirtschaften kann: Da gibt es Ökofirmen wie den Müsli-Produzenten Rapunzel oder das Textilunternehmen hessnature, die sich mit einer grünen, nachhaltigen Idee vom kleinen Garagenbetrieb zum Großkonzern mit Millionenumsatz entwickelt haben. Und gerade junge Unternehmen zeigten, dass die Ideen buchstäblich auf der Straße liegen:  Das Netzwerk Ashoka unterstützt weltweit junge soziale Initiativen, die Genossenschaft the seed berät junge Kreative beim Sprung in die Selbständigkeit, die Initiative „The blue economy“ vernetzt verschiedene grüne Unternehmen und das „Cradle to Cradle“-Konzept unterstützt Firmen bei der Umsetzung von konsequentem Recycling. Und selbst die etablierten Global Players wie die Handelskette Rewe, Siemens oder das Softwareunternehmen SAP agierten zumindest in Teilbereichen nachhaltig. „Jeder muss seine eigene Nische finden“, appellierte Langer an die Kreativität seines Publikums.

 

Nachhaltigkeit und Marktplatz

Tatsächlich zeigte sich in den Workshops am Samstagnachmittag, wie viele neue Ideen bereits in 90 Minuten entstehen können: Vom Netzwerk für Arbeitslose bis zum Business-Archäologen erarbeiteten die Teilnehmer mit Alistair Langer mehr als ein Dutzend potenzieller sozialer Projekte. In den insgesamt fünf Arbeitsgruppen stellten die jeweiligen Referenten zahlreiche Beispiele für gelebte Nachhaltigkeit vor, wie das Ökodorf Siebenlinden, eine Arbeits- und Lebensgemeinschaft von inzwischen 150 Erwachsenen und Kindern  in Sachsen-Anhalt. Ebenso lernten die Gäste zahlreiche Übungen kennen, um der eigenen Nachhaltigkeit nachzuspüren, beispielsweise die  Tiefenökologie nach der Amerikanerin Joanna Macy. Die Pädagogen Martin Butter und Michael Harth gaben in ihrem Workshop Tipps für die Arbeit mit Jugendlichen und die Vermittlung von schwierigen Themen wie Nachhaltigkeit oder Spiritualität.

 

 

Mystische Poesie und  sphärische Klänge

 

Zwar werden beim Freundeskreistreffen die Regeln des Schweigens bewusst aufgehoben, doch geübt ist geübt. Wann immer am Freitagabend beim Konzert des Rumi-Projekts die Musikinstrumente verklangen, hätte man in der andächtigen Stille des großen Zendo eine Stecknadel fallen hören können: Das Musikerensemble um Dieter Halbach hat sich der Posie des sufischen Dichter Maulana Rumi verschrieben, der im 13. Jahrhundert lebte und bis heute mit seiner opulenten Sprache begeistert. Das Rumi-Projekt vertont die poetischen Werke um Leben und Tod, Natur und Liebe mit einer Vielzahl an Instrumenten und Gesang – unter anderem auch auf Persisch. Ein Konzert der etwas anderen Art gab die Vokalistin Natascha Nikeprelevic am Samstagabend: Sie beherrscht die Technik des Obertongesangs -  in der Mongolei und Teilen Asiens sehr traditionell – und füllte den Gewölbesaal mit Klängen und Tönen wie aus einer anderen Welt. Zum Ausklang der beiden Abende trafen sich die Gäste zum geselligen

 

Das nächste Freundeskreistreffen steht schon fest – ebenso das Thema: Von 9. bis 11. November 2012 dreht sich alles um  die „(Über-)Lebenskunst“.

 

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