Zen-Geist am Benediktushof Drucken

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Sommerfestival


Der Benediktushof in Holzkirchen präsentierte Ende Juni mit einem großen Sommerfestival die Vielfalt der Zen-Künste. Ungefähr 300 Personen waren gekommen, um an diesem Ereignis teilzuhaben. Unter dem strahlend blauen Himmel Holzkirchens fanden Vorführungen im japanischen Bogenschießen, der Schwertkunst sowie gemeinsame Taiji-Übungen statt.

 

Interessierte konnten an einer traditionellen japanischen Teezeremonie teilnehmen, Einblicke in die japanische Kunst des Blumenstellens erhalten, Zengeschichten und Haikus lauschen, an Workshops im Butoh-Tanz und dem Pinsel-Zen-Weg teilnehmen und meditatives Tanztheater und Klangmeditationen erleben. Musikalisch umrahmt wurde der zweitägige Event von den machtvollen Rhythmen japanischer Trommeln und den sanften meditativen Klängen der Zenflöte.

 


Festakt


Höhepunkt des Sommerfestivals war der Festakt der Willigis Jäger Stiftung „West-östliche-Weisheit“ zur Gründung der neuen Zenlinie von Willigis Jäger. Der Benediktinermönch und Zenmeister Willigis Jäger rief mit dieser Gründungszeremonie eine der ersten westlichen eigenständigen Zenlinien ins Leben.


In seinem Grußwort wünschte der aus China angereiste Abt Ming Hai, der dem bedeutenden Tempel des Zenpatriarchen Joshu aus dem 8. Jahrhundert vorsteht, Willigis Jäger, dass er ebenso wie Meister Joshu 120 Jahre alt werden möge, um noch viele Jahre Menschen auf dem Zenweg begleiten zu können. Willigis Jäger stellte anschließend seine neue Zenlinie vor und betonte, dass Zen durch alle Kulturen hindurch immer Zen bleibe, unabhängig davon, ob jemand eine neue Zenlinie gründe.

 

Doch ebenso wie das Zen in die westliche Kultur hineinwirke, beeinflusse auch die westliche Kultur die Ausdrucksformen des Zen. Denn mit dem Auszug des Zen aus den japanischen und chinesischen Klöstern im vergangenen Jahrhundert ist das Zen im modernen Alltag angekommen. Er sprach sich daher für ein säkularisiertes und transkonfessionelles Zen aus, das sich einer zeitgenössischen Sprache bedient und unter Einbeziehung der Erkenntnisse der modernen Wissenschaften dem Weltbild des 21. Jahrhunderts gerecht wird.

Willigis Jäger dankte Doris Zölls und Alexander Poraj für ihre tatkräftige Unterstützung bei der Gestaltung der neuen Zenlinie und wies darauf hin, dass mit der Gründung seiner neuen Zenlinie die Verbundenheit mit der Sanbo-Kyodan-Schule, aus der die neue Zenline hervorgegangen ist, und ihren Lehrern erhalten bleibe. Dies wurde von den angereisten Vertretern der Sanbo-Kyodan-Schule ebenso betont und gewünscht.

 

So brachte Gundula Meyer Roshi ihre besten Wünsche für die neue Zenlinie zum Ausdruck, der sie bescheinigte, dass sie Großes in Europa schaffen werde. Sie brachte ihren Wunsch nach einem guten Miteinander der neuen Zenlinie mit der Sanbo-Kyodan-Schule zum Ausdruck, denn schließlich seien sie, Gundula und Willigis, Dharmageschwister von Yamada Ko-un Roshi als ihrem gemeinsamen Vater. Grußworte sprachen auch Jef Boeckmans aus Holland und Othmar Franthal vom Lassalle-Haus in Dietfurt und gratulierten dem 84-Jährigen zu seinem kraftvollen Anfänger-Geist.

Abschließend wies Alexander Poraj, zusammen mit Doris Zölls spiritueller Leiter des Benediktushofes, darauf hin, dass zahlreiche europäische Zentren seit langem mit Willigis Jäger in Verbindung stehen und bereits von der neuen Zenlinie inspiriert sind. Der Benediktushof selbst gilt mit 33.000 Übernachtungen pro Jahr als eines der größten spirituellen Zentren Europas, das sich seit seiner Gründung durch Willigis Jäger im Jahre 2002 der Integration der Weisheitswege aus West und Ost widmet.

 

Der Benediktushof ist nicht nur Sitz der neuen Zenlinie, sondern auch die Heimat der Würzburger Schule der Kontemplation, deren Lehrer europaweit den Versenkungsweg der christlichen Mystik lehren. Beide Wege können den Menschen in die Erfahrung seines wahren Wesens führen. Willigis Jäger machte in seiner Gründungsrede deutlich, dass das östliche Zen in die westliche Kultur hineinwirke und zugleich von dieser beeinflusst werde.

 


Einweihung Zengarten


Mit einer feierlichen und bewegenden Zeremonie wurde bei Einbruch der Nacht der neu angelegte japanische Garten der Stille eingeweiht. Dieser Gartentypus hat seinen Ursprung in den Klostergärten des alten Japans. Seine Besonderheit liegt darin, dass sowohl das Meer als auch Wasserläufe durch feinen Kies dargestellt werden.

 

Der Höhepunkt des Gartens ist ein Wasserfall, gesetzt mit mächtigen Steinen aus Muschelkalk. Eine massive Steinplatte fungiert als Brücke und ist Teil der Wegeführung durch den Garten. In Zusammenspiel mit dem ehemaligen Kreuzgang des Klosters und der kreuzförmig gestalteten Kiesfläche im Innenhof findet durch den neu eröffneten Zengarten nun eine harmonische Verbindung von abendländisch-christlicher und fernöstlicher Kultur statt.

 

Willigis Jäger und Abt Ming Hai weihten den Garten mit einem Segensspruch und Räucherritual ein. „Wer hierher kommt, möge offen sein für das, was uns die Steine, Pflanzen und Tiere zu sagen haben“, erhofft sich Willigis Jäger von dem Garten der Stille. „Möge das Feuer der Weisheit hier immer brennen“, wünschte Abt Ming Hai dem Benediktushof und rezitierte anschließend mit seinen Mönchen das Herzsutra, eines der wichtigsten Texte der Zentradition. Der Geschäftsführer des Benediktushofes, Dirk Ahlhaus, erinnerte daran, dass dem heutigen Garten viele Jahre der Planung und Vorbereitung vorausgegangen waren und dankte den Gestaltern Friedhelm Hellenkamp und Joachim Ottensmann für die gelungene Vollendung.

 

Friedhelm Hellenkamp brachte seinen Wunsch zum Ausdruck, dass dieser Meditationsgarten alle Betrachter in die innere Stille führen möge und spielte zum Abschluss der Zeremonie ein Stück auf der Kyotaku, der japanischen Bambusflöte. Mit einer gemeinsamen Feier auf der Klosterwiese um das Lagerfeuer ging der erste Festtag um Mitternacht zu Ende.

 


Buchpräsentation

 

Am Sonntagmorgen fand die Buchpräsentation des neu erschienenen Buches „Zen im 21. Jahrhundert“ statt. Das Buch legt die neue Ausrichtung der Zenlinie dar, die sich insbesondere an der komplexen Lebenssituation des modernen Menschen in der westlichen Kultur orientiert. Der Verleger Joachim Kamphausen dankte den Autoren Willigis Jäger, Doris Zölls und Alexander Poraj für dieses Buch, das einen wichtigen Brückenschlag zwischen dem Zen und den Herausforderungen des westlichen Alltags bildet.

 

Willigis Jäger betonte in seiner Ansprache den Wunsch, dass dieses Buch vielen westlichen Menschen auf ihrem spirituellen Weg helfen möge, und er erklärte sein Anliegen, den Weg des Zen als eine transkonfessionelle spirituelle Praxis zu etablieren, die Suchenden aller Religionen offen stehe.

 

In einer kurzen Lesung aus dem Buch machte die spirituelle Leiterin des Benediktushofes Doris Zölls deutlich, dass das Zen der Sehnsucht des modernen Menschen nach Stille und Klarheit entgegenkommt und dass Zen eine Kultur der Achtsamkeit entwickelt, die jedem Menschen, der diesen Weg geht, eine neue Lebensqualität erfahren lässt.

Eine Ahnung dieser Lebensqualität konnten die vielen Besucher des inspirierenden Sommerfestivals nach einem gemeinsamen Mittagsbuffet mit nach Hause nehmen.

 

 

Artikel in der Mainpost am 23.06.2009

Fotogallerie Sommerfestival 2009

 

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