Sommerfestival 2013 (29. und 30. Juni 2013) Drucken

 

„Der  Geist der Gegenwart macht einen Ort lebendig“

So mancher Gast staunte beim Spaziergang durch den Konventbau nicht schlecht: Üblicherweise finden hier Ausstellungen zeitgenössischer Kunst statt, zum diesjährigen Sommerfestival wurden mit zahlreichen Fotos Erinnerungen an die Anfangszeit vor zehn Jahren wiederbelebt - wie etwa an das verwitterte Wirtshausschild „Benediktushof“, das hinter Sträuchern an der Tür zum heutigen Speisesaal prangteAls im Herbst 2002 die erste Begehung stattfand, hatte der zuletzt als Hotel und Gaststätte genutzte Benediktushof bereits mehrere Jahre leer gestanden: Viele der Räume und Gänge waren aufgrund der maroden Substanz nicht mehr begehbar, Fenster zersplittertim Bereich des heutigen Zen-Gartens gab es einen ausrangierten Pool, den sich die Natur allmählich zurückerobert hatte und der heute liebevoll gestaltete Innenhof hatte noch einen landwirtschaftlich geprägten Charakter. Oder wie es Willigis Jäger mit einem Schmunzeln formulierte: „Es war ein Trümmerhaufen.“   

Rund 170 Gäste feierten gemeinsam das diesjährige Sommerfest am Benediktushof – und das stand sowohl im Zeichen eines runden Geburtstags, als auch der Erweiterung und Ausbaus. So jährt sich im Dezember der Start des Kursbetriebes zum zehnten Mal, zum anderen wurden Anfang des Jahres  der neue Ostflügel, das Restaurant „Troand“ im ehemaligen Säulensaal sowie pünktlich zum Sommerfestival der neue Meditationsgarten fertiggestellt und eingeweiht. Bereits zum fünften Mal lud der Benediktushof zu einem Sommerfest einTraditionell wechselten sich dabei die lauten mit den leisen Tönen ab, wurde die Geselligkeit ebenso gepflegt wie die Zeiten der Stille und inneren Einkehrbeispielsweise bei den Meditationseinheiten und vielen Workshops. Und natürlich durfte auch die gute Küche des Hauses nicht fehlen: Das Team um Christof Zirkelbach und Barbara Proske verwöhnte die Gäste an beiden Tagen mit einem vegetarischen Buffet.


„Weitblick und Mut zum Angriff“

Der Festakt bot einmal mehr die Gelegenheit, den Männern und Frauen der ersten Stunde zu danken: Insbesondere dem Architekten Thomas Mensing, der das Potenzial in dem ehemaligen Klosterareal erkannt und durch sein Sanierungs- und Umbaukonzept zum Vorschein gebracht habe, sowie der Unternehmerin und Investorin Gertraud Gruber, einer langjährigen Weggefährtin von Willigis Jäger„Es gab viele Gegenstimmen zu dem Vorhaben“, erinnerte sich Irene Bopp, Beraterin und rechte Hand von Gertraud Gruber an die anfänglichen Vorurteile, Bedenken und einen Berg Bürokratie, die sie gemeinsam mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann Gerhard Bopp zu meistern hatte.

 „Es ist ein einzigartiges Zentrum entstanden, das für viele Menschen eine spirituelle Heimat geworden ist“, bedankte sich Irene Bopp bei den Mitarbeitern: Wie in dem berühmten biblischen Bildnis vom Weinstock werde auch am Benediktushof die Gnade Gottes im Wirken der Menschen spürbar: „Ich wünsche mir, dass diese Gnade weiter Früchte trägt“. Viele von ihnen begleiten den Benediktushof seit vielen Jahren - und das „aus einem tiefen inneren Wissen heraus“, hob Willigis das besondere Engagement seiner Wegbegleiter hervor.   Dass sich das ehemalige Klosterareal abermals zum Wahrzeichen Holzkirchens mausern würde, sei auch für die Gemeinde Holzkirchen ein Glücksfall: „Zu meinem Einstand hatte ich mit dem leerstehenden Anwesen ein dickes Problem an der Backe“,  bedankte sich Bürgermeister Klaus Beck für den Mut und Weitblick der Initiatoren. Heute sprächen die Holzkirchner mit Stolz von „ihrem“ Benediktushof. „Eine Auszeichnung von Seiten der Bevölkerung“, schmunzelte Beck.


Einweihung des neuen Meditationsgartens

Auch in den vergangenen Wochen und Monaten war auf dem ehemaligen Klosterareal wieder gebaut und gepflanzt worden, im Rahmen des Sommerfestivals wurde der neue Meditationsgarten eingeweiht.  Für den Landschaftsarchitekten Om Hellenkamp war dies der Abschluss eines zehnjährigen Projekts – seit 2004 gestaltete er die verschiedenen Außenbereiche am Benediktushof: „Es war eine besondere Herausforderung, einen Garten für Menschen zu gestalten, die die innere Einkehr suchen“, lud er gemeinsam mit Dirk Ahlhaus die Gäste ein, den neuen Garten zu erkunden und erspüren.  Das räumliche, aber auch energetische Zentrum bildet eine Hainbuche, die aus Norddeutschland ins unterfränkische Holzkirchen verpflanzt wurde: Sie steht im Mittelpunkt eines Rondells, das künftig für Gehmeditationen dienen soll. Meditative Klänge begleiteten auch die Einweihung, die die Musiker des Obertonhauses München den Klangschalen entlockten, begleitet von Om Hellinghaus auf der Jap, der japanischen Zenflöte.  Schwungvoll und fröhlich ging es anschließend auf der Terrasse und im Speisesaal weiter: Das Bailando Groove Orchestra lud bis in die späten Abendstunden zu Musik und Tanz ein.


„Raum und Gegenwart“ – ein Wochenende des Innehaltens

Das Sommerfestival stand sowohl im Zeichen des Dankes und der guten Wünsche, vor allem aber des Innehaltens – passend zum Motto des Wochenendes „Raum und Gegenwart“. Unter diesem Titel wird im September der Jubiläumsband erscheinen: Darin beschreiben Willigis Jäger, Doris Zölls, Alexander Poraj, Fernand Braun und Dirk Ahlhaus ihre Gedanken und Betrachtungen zum Benediktushof  - unter den Aspekten Universum, Raum, Gegenwart, Stille und Zeit. Ergänzt werden die Textbeiträge durch Bilder – quasi „visuelle Meditationskissen“ - des britischen Fotografen Roger Hutchings.  Im Rahmen des Festaktes gaben die Autoren in kurzen Vorträgen bereits einen Vorgeschmack  –  vor allem sollte es auch eine Einladung sein, ganz in Raum und Gegenwart zu sein: „Bei der Entstehung des Buches haben wir uns  mit der Frage beschäftigt, was der Benediktushof für uns bedeutet“, verriet Geschäftsführer Dirk Ahlhaus: Vor allem solle der Hof ein Ort der Begegnung sein, mit anderen Menschen, aber auch mit sich selbst.

Fragen gehören seit jeher zur Kultur des Hauses – etwa: Welchen Sinn haben diese paar Jahrzehnte, die wir Menschen auf der Erde, diesem Planeten am Rande des Universums verbringen? Und wohin gehen wir, wenn wir sterben? Fragen, die  Willigis Jäger immer wieder aufs Neue stellt und den Zuhörer berühren. Ein Hauptanliegen von Willigis ist es, den Menschen auf dem Benediktushof die Möglichkeit zu geben, Antworten zu finden und damit den Sinn des menschlichen Daseins zu begreifen – auf einer Ebene jenseits unseres Verstandes.

Wenn sich der Benediktushof als ein Ort der Begegnung versteht, was macht einen solchen Ort aus? Eine einfache Antwort wollte Doris Zölls hierauf nicht geben: Schon ein Grashalm könne ein Tempel und heiliger Ort sein, und doch sei selbst ein heiliger Ort kein Ort für die Ewigkeit, gab die Zen-Meisterin und evangelische Pfarrerin zu bedenken: Wie einst der Benediktushof seien viele ehemalige Klöster ein gutes Beispiel, dass ein prunkvoller Bau und ein gut gemeinter Gründergeist die Zeit nicht überdauern können: „Ist ein Ort nicht lebendig, bleibt nur ein Haufen Steine. Lebendig wird ein Ort durch den Geist der Gegenwart“. Das bedürfe der Bereitschaft, nicht an Bewährtem festzuhalten, sondern sich immer neu auf das zu besinnen, was gerade ist und ansteht. Dieser Aufgabe müssten sich auch die Menschen am Benediktushof stellen: „Nur durch diese Lebendigkeit kann die Schönheit auch unser Herz erreichen.“

Warum tun wir uns so schwer mit der Gegenwart? „Wir haben Sehnsucht nach der Gegenwart und sind doch zu 99 Prozent nicht gegenwärtig“, lenkte Alexander Poraj die Aufmerksamkeit auf ein bekanntes Paradoxon der Meditationspraxis:  „.Warum wollen wir das, was ohnehin ist?“  Die Lösung sei ebenso simpel wie schwierig: „Es geht darum aufzuhören, vor der Gegenwart abzuhauen.“ Dabei sei Gegenwärtigkeit keineswegs an einen Ort oder ein Tun gebunden:  „Räume, wie sie der Benediktushof bietet, unterstützen die Übung. Sie bereiten uns darauf vor, hier und überall gegenwärtig zu sein“, ermunterte der Zen-Meister die Gäste, auch im Alltag in der Übung der Gegenwärtigkeit zu bleiben.


Fernand Braun, der ab September 2013 ein Mitglieder der spirituellen Leitung des Benediktushofes sein wird, näherte sich dem Thema Stille mit Gedanken von Rainer Maria Rilke: „Ich fürchte mich vor des Menschen Wort. Die Dinge singen höre ich so gern“. Ist mit der Stille weniger das Schweigen als vielmehr die Aufforderung zum Hören gemeint? Das Hören auf das, was hinter den Worten klingt und so unsere Herzen erreicht? „Der Hörsinn ist der einzige, der schon vor der Geburt vollständig entwickelt ist“, verwies Fernand Braun auf die besondere Bedeutung dieser Fähigkeit: „In der Stille führt uns das Hören zum Ursprung, und da erreicht uns der Ruf Gottes“.


Ein Ort mit über 1000-jähriger Geschichte

Doch nicht erst in den letzten zehn Jahren finden Menschen auf dem Klosterareal in Holzkirchen einen Ort der Stille und inneren Einkehr: Der Würzburger Historiker Dr. Peter Süß nahm die Gäste mit auf eine Reise durch die immerhin über 1000-jährige Geschichte des Benediktushofes.  Der Klostergründer war übrigens ein Mönch namens Troand, der nun Namenspate für das neue Restaurant am Hof stand. Und nicht erst in den vergangenen zehn Jahren erlangte der Benediktushof deutschlandweit Bekanntheit als spiritueller Ort, bereits im dreizehnten Jahrhundert hatte das Benediktinerkloster zu Holzkirchen eine überregionale Bedeutung als Wallfahrtsort. Aus dieser Blütezeit stammt auch der Westflügel mit dem romanischen Kreuzgang, der heute in den großen Zendo integriert ist.

Das Motto „Raum und Gegenwart“ zog sich auch wie ein roter Faden durch das Wochenende: So waren die Gäste in zahlreichen Workshops eingeladen, den Benediktushof in seinen verschiedenen Facetten zu erleben: Der Fokus lag dabei auf den mystischen Traditionen des Ostens und Westens. Wer wollte, konnte unter Anleitung der Zen- und Kontemplationslehrer mehrere Runden sitzen. Die Andacht und Achtsamkeit einer traditionellen japanischen Teezeremonie erlebten die Gäste im Zen-Garten mit Gerhard Staufenbiel, Elsbeth Herberich präsentierte die Kunst des Ikebana, die japanische Kunst, das Wesen der Blume in einem Arrangement herauszuarbeiten. Beim Yoga, Taiji oder auch beim Körpergebet, Tönen und Handauflegen konnten die Gäste den eigenen Körper mit verschiedenen Sinnen erfahren – und dabei auch die Stille und Spiritualität erleben, um die es am Benediktushof geht.

Die guten Wünsche und der Dank der Gäste zum Geburtstag blieben auch nach dem Sommerfestival sichtbar am Hof:  Kaum jemand hatte sich die Einladung entgehen lassen, seine persönlichen Grüße auf einem der blauen Kärtchen zu formulieren. An einem Gestell befestigt, wurden sie nun als Kunstwerk im Garten installiert. 

 

 

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